Kreditkarteneinsatz in Wettbüros und bei E-Geld Diensten kostet jetzt extra

Aktualisiert am

Dass Anbieter von Kreditkarten ihren Kunden versteckte Kosten auferlegen, ist kein Geheimnis. Seit Jahren weisen Verbraucherschützer darauf hin, dass die Gebühren für die Nutzung von Kreditkarten intransparent und zu hoch sind. Daher hat das EU-Parlament 2016 neue Richtlinien verabschiedet. Gebührenobergrenzen sollen dazu beitragen, den Kunden zu schützen. Doch die Entscheidung hat ihre Mängel. Und Kunden werden auch weiterhin zur Kasse gebeten.

Aktueller Stand Spieler werden (noch) ärmer Was sind Geldmittler und E-Geld-Anbieter? Weitere Schlupflöcher Fazit

Einsatz der Kreditkarte in Wettbüros

Aktueller Stand

Im Mai 2015 beschloss das EU-Parlament, die Gebühren für den Einsatz von Kreditkarten zu deckeln. Seitdem belaufen sich die Interbankenentgelte für die Nutzung von Debitkarten auf 0,2 % und von Kreditkarten auf 0,3 % des Transaktionswertes. Zuvor wurden die Entgelte von den Banken und den Kartenzahlsystemen diktiert. Darüber hinaus waren die Entgelte von Staat zu Staat unterschiedlich und damit für Verbraucher undurchsichtig.

Der Kunde kauft in einem Geschäft ein und bezahlt mit seiner Kreditkarte. Für diese Transaktion muss der Verkäufer eine Gebühr an seine Bank entrichten. Die Bank zahlt dem Verkäufer den Verkaufspreis, abzüglich der besagten Gebühr. Bisher lag in den Transaktionskosten die größte Falle für versteckte Gebühren. Einzige gesetzliche Zügelung hatte bis dato das Wettbewerbsrecht.

Nun wurden einheitliche Höchstsätze verabschiedet, an die sich jedes Land innerhalb der EU halten muss. Alternativ können EU-Staaten eine Gebühr in Höhe von 5 Cent einführen, wenn diese Gebühr 0,2% des Transaktionswertes nicht überschreitet.

Die sogenannte Verordnung über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge soll im Sinne des Kundenschutzes sein. Klingt gut. Allerdings ist diese Verordnung, die mit feierlicher Mehrheit verabschiedet wurde, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Zwar hat die neue EU-Regelung in dieser Hinsicht mehr Transparenz geschaffen, allerdings sorgen alte und neue Schlupflöcher dafür, dass die Kunden trotzdem kräftig zahlen. Sogar dann, wenn sie mit Glücksspiel Geld gewinnen wollen.

Spieler werden (noch) ärmer

Längst haben die Banken an anderen Stellen „reagiert“ und Gebühren eingeführt, so auch beim Glücksspiel. So zahlt ein Kunde der Postbank bei „Einsatz der Postbank Kreditkarten zum Bezahlen bei Wettbüros, Casinobetrieben und Lotteriegesellschaften im Rahmen deren Geschäftsbetriebs“ 2,5 % Gebühren oder mindestens 5 Euro.

Bei der VISA-Karte der comdirect werden sogar 3 % vom Umsatz bei Verwendung im Spielcasino, Geldmittlern, E-Geld-Anbietern, Wettbüros und Lotteriegesellschaften fällig.

Auch die Consorsbank verdient seit dem 05. Dezember 2015 am Glücksspiel: Mit der VISA-Card beträgt die Gebühr 2,5 %, mindestens jedoch 5,00 €.

Für Nutzer der Amazon-LBB-Kreditkarte heißt es im Preisverzeichnis: „Lotto-, Wett- und Casinoumsätze werden wie Bargeldumsätze behandelt.“ Bei Bargeldabhebungen im Inland wird eine Gebühr in Höhe von 3 % des Umsatzes verlangt, mindestens aber 7,50 € werden fällig (im Ausland 5 €). Bei Bargeldverfügungen, die nicht in Euro erfolgen, wird ein Auslandseinsatzentgelt in Höhe von 1,75% berechnet. Hinzu kommt, dass Inhaber indirekt benachteiligt werden. Sie erhalten nämlich keine Bonuspunkte auf Lotto-, Wett- und Casinoumsätze.

Was sind Geldmittler und E-Geld-Anbieter?

Bei E-Geld handelt es sich um elektronisches Geld, Geld also, das nur digital verfügbar ist. E-Geld-Anbieter sind Unternehmen, die den Einsatz mit diesem elektronischen Geld ermöglichen. Zu ihnen gehört zum Beispiel der bekannte Bezahldienst PayPal. Diese Transferleistungen machen sie darüber hinaus zu Geldmittlern, da sie das elektronische Geld nicht aus dem Nichts erschaffen, sondern einen Austausch und eine Speicherung dessen anbieten.

Weitere Schlupflöcher

Mastercard und Visa halten eine Monopolstellung im Kreditkartengeschäft. Mit einem Marktanteil von 90 % konnten sie bisher den Markt zu ihren Gunsten bestimmen. Damit soll nun laut EU-Verordnung Schluss sein. Zwar sind die Gebührenobergrenzen jetzt klar geregelt, doch letztendlich fällt alles wieder auf den Kunden zurück.

Allein in Deutschland haben Verbraucher vor Einführung dieser Grenzen sechs Milliarden Euro an Kreditkartengebühren gezahlt. Sechs Milliarden Euro, die der Industrie nun durch die Lappen gehen. Schätzungen zufolge verlieren die Finanzinstitute 250 Millionen Euro im Jahr durch die neue Verordnung. Und was tun Banken und Einzelhändler, wenn der Profit geringer wird? Sie erhöhen die Preise.

Finanzexperten weltweit sehen diese Gefahr auf uns zukommen. Nicht zuletzt, weil ähnliche Regelungen in den USA und Australien zu genau diesen Konsequenzen geführt haben.

Und wie immer gibt es Ausnahmen: So brauchen American Express und Diners die neue Regelung erst in drei Jahren umzusetzen.

Zudem steht Anbietern ein ebenso einfaches wie wirksames Mittel zur Verfügung, um die Verluste auszugleichen: das Ende der kostenlosen Kreditkarte. Dies lässt sich auf vielen Wegen realisieren und wird bereits umgesetzt, zum Beispiel durch die Einführung einer Grundgebühr oder die Erhöhung der Jahresgebühr.

Fazit

Mit der Vereinheitlichung von Obergrenzen für Kreditkartengebühren hat das EU-Parlament einen wichtigen Schritt getan. Dennoch ist damit noch kein umfassender Verbraucherschutz gewährleistet, wie die zahlreichen Schlupflöcher der verschiedenen Anbieter zeigen. Besondere Vorsicht ist beim Glücksspiel geboten: Wer hier mit Kreditkarte zahlt, der verliert womöglich mehr, als er in ein paar Runden im Wettbüro gewinnen könnte.

Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Bitte geben Sie mindestens 10 Wörter ein. Aktuelle Wortanzahl: 0
Vorteile Kontofinder.de

1. sehr große Marktübersicht
2. unabhängige Bewertung durch Algorithmus
3. tagesaktuelle Konditionen