Banken und die Virtual Reality - hat das Zukunft?

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VR-Brillen sind, verzeihen Sie uns die Wortwahl, der neue heiße Scheiß. Kaum eine Marketingmesse kommt noch ohne sie aus, den Siegeszug in deutsche Wohnzimmer und Zockerhöhlen treten sie auch schon an. Und natürlich will auch die Finanzbranche mitmischen. Doch eignen sich die trendigen Virtual-Reality-Brillen überhaupt dafür?

Ihr Technikfreaks kommet VR-Brillen ab 2017 gang und gäbe? Was Banken mit der neuen Technik anstellen könnten Synergie, nicht Verdrängung Fazit

Ihr Technikfreaks kommet

Ein Bewerbungsgespräch für einen Job bei der Bank – wie dröge, oder? Kommt ganz darauf an. Wenn es nämlich nach der britischen Bank Lloyds geht, soll sich das in Zukunft ändern. Statt einfach nur trockene Fragerunden über sich ergehen zu lassen, werden Bewerber mithilfe von VR-Brillen mit unterschiedlichsten Aufgaben und Situationen in einem virtuellen Raum konfrontiert.

Die besten IT-Talente sollen damit angelockt werden. Clever, denn so könnten auch junge Menschen wie die Millenials, die wohl eher selten in Begeisterungsstürme verfallen, wenn sie von Bankjobs hören, an diese Branche herangeführt werden.

Das sieht auch das Consulting-Unternehmen syracom so:

„Traditionelle Banken sehen zunehmend das Problem, die Digital Natives zu erreichen und eine zielgruppengerechte Kundenbindung aufrechtzuerhalten. Seit einigen Jahren fürchten sie außerdem eine zunehmende Konkurrenz durch FinTech-Unternehmen.“

Insbesondere im Gaming-Sektor sind VR-Brillen auf dem Siegeszug, erreichen schon jetzt die Jugendlichen und ihre Freizeitgewohnheiten. Da ist der Übergang zum Recruiting gar nicht so weit entfernt.

VR-Brillen ab 2017 gang und gäbe?

Klar ist aber auch: Nicht alle sind vom Hype um Virtual Reality überzeugt. Deutlich wird dies anhand eines Statements zum Digital Banking Day 2016, einer Veranstaltung, die vom 22.-23. September in München stattfand. In der Medienmitteilung heißt es:

„Auch Grenzen der Digitalisierung wie beispielsweise der Virtual Reality wurden kritisch beleuchtet, was den Gastgebern ihre Glaubwürdigkeit einbrachte.“

Skepsis ist ein bekannter Wegbegleiter technischen Fortschritts. Das war schon beim Telegrafen so und hörte beim Smartphone noch lange nicht auf. So bleiben auch Virtual und Augmented Reality nicht von Kritik verschont. Der zum Teil körperliche Widerstand gegen Google Glass ist ein Paradebeispiel dafür.

Selbst wenn wir im kommenden Jahr höchstwahrscheinlich noch nicht mit VR-Brillen durch digitale Bankfilialen laufen, glauben die Kreditinstitute an den neuen Medientrend. Die Deutsche Bank stufte die Sony-Aktie im Juli dieses Jahres auf Buy hoch. Grund hierfür war die Erwartung, dass die neue Generation der PS VR neue Verkaufsrekorde setzen werde.

Aber bedeutet das eine Revolution der Finanzbranche durch VR-Brillen? Zumindest sollen sich die Umsätze der neuen Technik allein in Deutschland versechsfachen – und das in einem Zeitraum von drei Jahren. Ein klares Indiz dafür, dass die Technologie in der breiten Bevölkerung ankommen wird.

Schon jetzt ist eine fortschreitende Digitalisierung der Banken zu erkennen: Man muss Entwicklungen wie die photoTAN nicht sinnvoll finden. Aber sie zeigen den Weg in Richtung Zukunft.

Was Banken mit der neuen Technik anstellen könnten

Banken machen sich intensiv Gedanken darüber, was in 20-30 Jahren einmal Trend sein könnte. So sagte comdirect-Vorstand Holger Hohrein dem IT-Finanzmagazin:

„Wir wollen zum smarten Finanzbegleiter im Leben unserer Kunden werden. Dafür ist es wichtig, dass wir uns schon heute mit den Technologien auseinandersetzen, die für die Menschen von morgen selbstverständlicher Teil ihres Alltags sind.“

Um diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen, rief die comdirect die sogenannte Innovationswoche Anfang Februar 2016 ins Leben. Rund 1.000 Mitarbeiter konnten hier mit VR-Brillen in Berührung kommen. Die Vision: VR-Kontaktlinsen. Weg also von der klobigen Brillenlösung, die man besser im heimischen Wohnzimmer versteckt.

Wenn Toni Turnschuh sich also in zehn Jahren bei seinem Online-Banking-Account einloggt, bräuchte er dafür wohl nicht einmal mehr Tastatur und Maus, sondern nur zwei Kontaktlinsen. In seinem Sichtfeld würden dann alle relevanten Bankdaten erscheinen. In diesem Szenario gehören dann auch Passwörter der Vergangenheit an. Die Identifizierung wird künftig über einen integrierten Retina-Scanner laufen, mit einem Fingerabdruck auf der Smartwatch werden Transaktionen bequem bestätigt. Der 3D-Drucker ist natürlich auch zur Stelle, wenn es um die Herstellung der Girocard geht. Klar, denn ein Versand mit der Post ist doch sowas von oldschool …

Synergie, nicht Verdrängung

Wahrscheinlich ist also, dass VR-Brillen andere Technologien nicht verdrängen, sondern mit ihnen verschmelzen. Natürlich ist auch Google wieder mit im Spiel, wenn es um die rasante technologische Entwicklung geht. Mit Cardboard bietet das Unternehmen schon heute eine kostengünstige Lösung an, die PC-unabhängig ist, und sich mit dem Smartphone steuern lässt. Hierfür wird das Smartphone in eine Art Pappvorrichtung gelegt und dann als Brille aufgesetzt.

Fazit

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das gilt auch für VR-Brillen und die Finanzbranche. Mögen Sie die Unterhaltungsindustrie revolutionieren, beim Banking steckt die Entwicklung noch in den Kinderschuhen. Aber: Was nicht ist, kann durchaus werden. Online-Banking galt in den 1990er Jahren unter ferner liefen. Allein in diesem Jahr nutzen bereits 38 Millionen Deutsche diese Form des Bankings. Vielleicht werden es eines Tages auch ebenso viele VR-Brillen-Träger sein, deren Blick auf ihre Finanzen ein virtueller ist.

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