Deutsches Crowdinvesting: Anbieter im Schnell-Check

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Vor Kurzem berichteten wir über die Chancen und Risiken von Crowdinvesting. Auch in Deutschland haben sich Lösungen entwickelt, die Anlegern eine Alternative zu den eher mauen niedrigen Tagesgeld – und Festgeldangeboten machen wollen. Sind Mikro-Investitionen also der Königsweg des Vermögensaufbaus? Oder ein Holzweg?

Die Anbieter

Crowdinvesting ist im Trend und so spezialisieren sich immer mehr FinTechs auf diese neue Form der Geldanlage. Wir haben uns einige vielversprechende angeschaut.

Seedmatch Companisto Conda Fundsters Innovestment Bergfürst

Seedmatch bezeichnet sich selbst als „Deutschlands größte und lebendigste Investoren-Crowd“. Investoren können hier ab 250 € Startups unterstützen. Investieren können Sie sowohl als natürliche Person, als auch in Form einer Gesellschaft (GmbH oder UG). Im sogenannten Investor-Relations-Bereich können Sie den Gründern Fragen stellen und Kritik zukommen lassen. Im Gegenzug verpflichten sich die Startups dazu, zu fest vereinbarten Zeiten Quartals- und Jahresberichte zur Verfügung zu stellen. Jedoch erhalten Investoren keinerlei Stimmrecht und kein Recht auf Mitsprache hinsichtlich der Unternehmensführung. Beteiligt wird sich in Form eines partialischen Nachrangdarlehens.

Zusätzlich erhalten Seedmatch-Mitglieder einen gewinnabhängigen, jährlichen Bonuszins. Üblicherweise binden Investoren sich vertraglich für einen Zeitraum von fünf Jahren. Positiv fällt auf, dass Seedmatch transparent und offen auf die Risiken hinweist. So heißt es in den Investorenhinweisen:

„Wenn Sie in ein Startup investieren, ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass Sie Ihr investiertes Kapital verlieren, als dass Sie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielen. Investieren Sie also nur soviel Geld, wie Sie bereit sind zu verlieren und Sie verlieren können, ohne Ihren Lebensstandard zu gefährden."

Auf Companisto stellen junge Unternehmen sich mit einem sogenannten Pitch-Deck (kurze Unternehmenspräsentation) vor. Teilnehmende Investoren erhalten Gewinnbeteiligungen oder eine Festverzinsung. Beim festverzinsten Darlehen (Venture Loan) fällt eine Festverzinsung in Höhe von 8 % p.a. mit einer Mindestlaufzeit von 4 Jahren an. Bei den Startup-Anteilen hängt die Höhe der Gewinne von der Investitionssumme ab.

Startups

Mit einer Mindestlaufzeit von 7-8 Jahren beteiligt sich der Investor in Form eines partialischen Darlehens. Es besteht eine Gewinn-, eine Exit-, sowie eine Unternehmenswertbeteiligung. Sollte also das Startup im Rahmen einer EXIT-Strategie an ein Großunternehmen verkauft werden, erhalten Kunden von Companisto ebenfalls eine Beteiligung am Erlös.

Bei den Nachrangdarlehen verfügen Investoren nicht über die gleichen Beteiligungen wie bei der Investition in auf Companisto aktiven Startups. Die feste Vertragslaufzeit beträgt 3-4 Jahre.

Auch bei Companisto wird im FAQ-Bereich auf die Risiken der Investments hingewiesen:

„Startup-Investments sind sogenannte Risiko-Investments. Es gibt das Risiko seinen Investitionsbetrag zu verlieren. Geht das Investment gut, ist es aber auch möglich sein Investment zu vervielfachen."

Das im D-A-CH-Raum aktive Fintech Conda hat seinen Hauptsitz in München. Conda-Investoren starten mit mindestens 100 Euro. Erworben wird das Recht auf eine zukünftige Ausschüttung. Versprochen werden darüber hinaus Boni seitens der Unternehmen, in die investiert wird, wie zum Beispiel Geschenke, Sondergenehmigungen oder Vergünstigungen.

Conda sieht sich als Drehscheibe zwischen Unternehmen und Investoren. Den Qualitätsfilter legt das Startup in Form eines Advisory Boards an. Damit eine Investition gelingt, muss eine Fundingschwelle erreicht werden, die genau wie das Fundinglimit, also die Obergrenze für Investitionen, von Projekt zu Projekt verschieden ist. Beide Werte lassen sich in der Übersicht der Investitionsobjekte einsehen – auch ohne Registrierung. Von Getränken über Ökostrom hin zu Möbelherstellern ist für potenzielle Investoren alles dabei. Investitionen sind möglich als partialisches Darlehen oder in Form eines Substanzsgenussrechts. Conda schreibt hierzu:

„Genussrechte sind Vermögensrechte, die das Unternehmen dem Investor als Gegenleistung für seine Beteiligung überlässt. Sie gewähren Gläubigerrechte, die je nach Ausgestaltung mit Vermögensrechten, wie zum Beispiel die Teilnahme am Gewinn und am Liquidationsgewinn, verknüpft sind."

Leider macht die Webseite einen etwas unstrukturierten Eindruck. Für Nutzer wäre es von Vorteil, die genauen Informationen zum Geschäftsmodell und den Investitionsleitfaden leichter in der Navigation zu finden.

In Sachen günstiger Einstieg liegt Fundsters vorn. Mit nur 1 Euro sind Sie dabei. Für die Überprüfung vorab bietet das FinTech Einsicht in Investoren-Verträge und Verkaufsprospekte. Die Beteiligung erfolgt im Rahmen einer sogenannten typischen stillen Beteiligung. Investoren beteiligen sich demnach an der Fundsters Venturel Capital GmbH, welche das Geld der Investoren bündelt und sich laut Modell atypisch am gewünschten Unternehmen beteiligt. Hierzu schreibt Fundsters in den FAQ:

„Was ist eine atypisch stille Beteiligung?

Die atypisch stille Beteiligung (FUNDSTERS VC und Unternehmen) nimmt wirtschaftlich sowohl am Gewinn als auch an Wertsteigerungen des Unternehmens teil. Des Weiteren können im Rahmen einer atypisch stillen Beteiligung umfassende gesellschaftsrechtliche Mitbestimmungsrechte vereinbart werden."

Anleger bei Fundsters verfügen nicht nur über ein Gewinn- und ein Informations-, sondern auch über ein Stimmrecht. Sie dürfen über eine Auflösung oder eine Veräußerung der Beteiligung an das Unternehmen abstimmen. Die Abstimmung erfolgt über die Website von Fundsters. Auch hier muss eine Fundingschwelle innerhalb von 30 Tagen (max. 60) erreicht werden. Andernfalls erhalten die Investoren ihr Geld zurück. Um sich genauer darüber zu informieren, wie die Konditionen für Investoren sind, stellt Fundsters einen Mustervertrag online zur Verfügung.

Interessenten verschaffen sich auf Innovestment einen Überblick im sogenannten Investitionsprofil. Hier finden sie eine Unternehmenshistorie, Daten zum Background der Gründer, einen Bericht zur Unternehmensbewertung und eine Einschätzung der Erfolgsaussichten in Deutschland und international. Im Early-Stage-Bereich, also in den frühen Unternehmensphasen, können Investoren ab 250 € einsteigen.

Die Besonderheit: Bei Innovestment werden die einzelnen partialischen Darlehen der Anleger in einer Zweckgesellschaft, der Special Purpose Vehicle (SPV), gebündelt. Die SPV tritt den Unternehmen gegenüber als Kapitalgesellschaft auf, geleitet von einem Geschäftsführer aus dem Kreise der Anleger. Auf diese Art soll den Mikroinvestoren eine starke, gemeinsame Stimme zugesichert werden.

Dieses Geschäftsmodell wird Pooling genannt. Über Quartalsberichte und Jahresabschlüsse werden die Investoren auf dem Laufenden gehalten. Eine Beteiligung besteht bei Gewinnen, Dividenden und Verkaufserlösen.

Bergfürst bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, in Immobilien und Startups zu investieren. Die Mindestsumme für den Einstieg beträgt 5 Euro. Damit Unternehmen im Pool von Bergfürst aufgenommen werden, müssen sie den „Proof of Principals“ erreichen. Das bedeutet, dass diese Unternehmen bereits erste Umsätze erwirtschaften. Die Startups müssen außerdem einen plausiblen 3-Jahres-Plan aufstellen, in dem sie die Verwendung des erworbenen Kapitals und ihre künftigen Ziele darlegen.

Der Schwerpunkt von Bergfürst liegt demzufolge auf Unternehmen, die die erste Phase der Gründung schon hinter sich haben und nun Investoren für die Erschließung und Durchdringung des Marktes suchen.

Bergfürst will zwei Zielgruppen adressieren: Die renditenorientierten und die konservativen Anleger. Nun ließe sich freilich einwenden, dass wohl beinahe jeder Anleger renditenorientiert investiert. Schließlich ist dies die Hauptmotivation. Mit "renditenorientiert" ist jedoch die risikoreichere Form des Investments gemeint. Denn ähnlich wie bei den zuvor präsentierten Anbietern erwerben Anleger Aktien oder partialische Nachrangdarlehen.

Auch bei Bergfürst ist also das Risiko eines Totalverlustes für Privatinvestoren nicht auszuschließen.

Fazit

Wie riskant die Investitionen bei den einzelnen Crowdinvesting-Plattformen sind, lässt sich nur schwer abschätzen. Alles dreht sich darum, Vertrauen zu gewinnen und Anleger zu überzeugen. Daher betonen alle Anbieter die Transparenz und die Chancen der Projekte, in die sich schon mit geringen Summen investieren lässt.

Doch reichen FAQ-Bereiche und Businesspläne dafür aus? Letztendlich bleiben insbesondere die Anlagen als partialische Nachrangdarlehen risikobehaftet, da sie im Gegensatz zu klassischen Investitionen keine Einlagensicherung oder andere Sicherheiten bereitstellen. Selbst mit einem Totalverlust seines Investments leben kann, der sollte sich dennoch gut überlegen, ob sich Crowdinvesting wirklich lohnt. Denn oft stehen die möglichen Renditen in keinem Verhältnis zum Investitionsrisiko.

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