Deutschlands Goldreserven

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Deutschland ist ein reiches Land, das ist bekannt. Aber wie reich wir wirklich sind, das stellt sich erst beim Blick auf die Goldreserven heraus. Denn nach den USA verfügen wir über den zweitgrößten Goldschatz weltweit! Warum eigentlich? Wird der im Falle von Schulden etwa eingeschmolzen?

Wie viel Gold hat die BRD? Historische Ursachen Die Reserven im Ausland Wozu hat Deutschland so viel Gold? Ist Gold eine gute Anlage? Fazit

Wie viel Gold hat die BRD?

Die Zahl ist unvorstellbar: Deutschland verfügt über 3384 Tonnen Gold. Verfügen ist das richtige Wort, denn längst nicht alles davon lagert auch hierzulande. Das ist ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker. Denn die unterstellen der Bundesbank gerne, sie würde die Öffentlichkeit nicht über den vollen Umfang der Reserven informieren. Mit anderen Worten: Jemand zieht die Strippen im Hintergrund – vielleicht ja der Bösewicht Goldfinger?

Solche Verschwörungstheorien entstehen, wenn bestimmte Phänomene auf den ersten Blick nicht zu verstehen sind. Warum zum Beispiel, fragt sich der Durchschnittsbürger, lagern 43 % des deutschen Goldes in New York? Da liegt für manche, die ohnehin an die "Firma BRD" glauben, der Schluss einer weltweiten Verschwörung nahe.

Tatsächlich aber gibt es hierfür logische Gründe. Nur hat die Bundesbank es tatsächlich versäumt, diese Gründe zu erklären. Aber dafür haben Sie ja diesen Blog.

Historische Ursachen

Gehen wir zurück in die Geschichte, in einen lauschigen Luftkurort namens Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire. Hier beschlossen die Alliierten etwas, das die Welt genauso nachhaltig verändern sollte wie die Kapitulation der Wehrmacht knapp ein Jahr später. Denn in Bretton Woods wurde im Juli 1944 die Währungsordnung für die Nachkriegszeit festgelegt: Künftig sollten sämtliche Währungen fest an den Dollar gebunden werden. Dieser Kurs konnte, so die Absprache, nur einvernehmlich geändert werden. Der Grundstein für zwanzig Jahre Stabilität war gelegt. Im Rahmen von Bretton Woods verpflichteten die USA sich, pro Feinunze Gold einen Wechselkurs in Höhe von 35 $ anzunehmen und das sollte später zu Problemen führen.

Doch zunächst begann die Zukunft rosig, auch für die BRD, die 1949 nämlich dem Bretton-Woods-System beitrat und in unmittelbarer Folge das ‚Wirtschaftswunder‘ erlebte. Wie wichtig eine Leitwährung den damaligen Entscheidern erschien, zeigen die Entwicklungen vor dem Zweiten Weltkrieg: Ein Unterbietungswettkampf der Währungen tobte, Wechselkursmanipulationen sorgten für Chaos. Dem sollte ein Riegel vorgeschoben werden.

Die Reserven im Ausland

Wie passt das nun mit den Goldreserven Deutschlands in fremden Metropolen zusammen? Auffällig ist, dass diese Reserven in westlichen Staaten gelagert wurden. Im Hinblick auf den Kalten Krieg wird auch deutlich, warum: Sie sollten im Falle eines Einmarsches vor den sowjetischen Truppen geschützt werden.

Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Das sieht auch die Bundesbank so, weshalb sie die Rückführung der Goldreserven aus den USA anstrebt. Bis 2020 sollen 700 Tonnen Gold zurückgebracht werden. Zum Vergleich: Insgesamt lagern Schätzungen zufolge 1500 Tonnen deutschen Goldes bei der Federal Reserve Bank.

Auch hier findet sich wieder ein Nährboden für Verschwörungstheoretiker. In Wahrheit wären die US-Tresore nämlich leer. Die Amerikaner hätten mit deutschem Gold gehandelt. Die Bundesbank stellte jedoch gegenüber der Süddeutschen Zeitung klar:

„Das im Ausland gelagerte Gold ist jederzeit rückholbar, die Barren sind nicht verliehen.“

Macht nichts, denn selten bleibt es bei einer Verschwörungsversion: So hätten die Amerikaner zwar noch das Gold da, allerdings hätten sie es eingeschmolzen, um daraus neue Barren zu gießen.

Wozu hat Deutschland so viel Gold?

Früher hatten Goldreserven wie im Bretton-Woods-System den Zweck, die Währung durch den Goldstandard zu decken. Heute ist das nicht mehr der Fall. Das Gold ist trotzdem nützlich für denjenigen, der es hat. Heute soll das Edelmetall als Versicherung für Krisenzeiten herhalten. Allerdings haben sich die größten Staaten der Welt darauf geeinigt, Gold nur mit Absprache in Umlauf zu bringen.

Damit Deutschland frei über seine Reserven verfügen kann, führt die Bundesbank das Gold also Schritt für Schritt auf geheimen Wegen zurück nach Hause. Wenn Sie es also auf der Autobahn golden blitzen und blinken sehen, dann haben Sie vermutlich richtig hingeschaut.

Inzwischen hat sich sogar eine Initiative namens „Holt unser Gold heim!“ gebildet. Diese spricht sich für mehr Klarheit aus und kritisiert die „intransparente Lagerung der Goldbestände in ausländischen Lagern mit unklarer Eigentümerstruktur“.

Ist Gold eine gute Anlage?

Wie so oft kommt es darauf an. Gold hat nach wie vor einen hervorragenden Ruf: stabil, wertig und konstant. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Immer wieder war der Goldpreis starken Schwankungen unterworfen. Darüber hinaus kann durch Gold schwerer Geld verdient werden als z. B. durch Aktien oder Anleihen. Denn nur im Falle einer Erhöhung des Kurswertes kommt es zu einem Plus im Portfolio. Beim Gold gibt es zwei beliebte Anlagestrategien:

  • Vermögenssicherung

Devisen sind von Schwankungen und der Inflation bedroht. Der Wert von Bargeld oder dem Guthaben auf dem Konto kann stark einbrechen. Gold hat sich über Jahrhunderte als physische, organische Währung etabliert. Eine Investition in Goldbarren und -münzen sichert also das Vermögen weitestgehend ab.

  • Spekulation

Natürlich gibt es auch auf diesem Markt Zocker. Sie kaufen große Mengen an Gold, in der Hoffnung auf einen plötzlichen Kursanstieg. Anders als Investoren mit der Absicht zum Vermögenserhalt, kaufen die Zocker meist Wertpapiere an der Börse, da diese sich schneller wieder abstoßen lassen. Hier geht es nicht um Vermögenssicherung, sondern um Vermögensschaffung, die sehr riskant ist. Spekulation eben.

Fazit

Nach wie vor ist Deutschland eines der reichsten Länder dieser Erde – das zeigt sich auch am Goldvermögen, das nach und nach zurück nach Hause transportiert wird. Bis 2020 will die Bundesbank die Hälfte aller Goldbestände aus dem Ausland wieder in heimischen Tresoren gebunkert haben. Denn nach wie vor gilt Gold als ein stabiles Gut.

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