Fünf aktuelle Meldungen zu Zahlungsverkehrskonten

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Von Zeit zu Zeit kommen sich Banken und Gesetze in die Quere. Es dürfte wenig überraschen, dass es hierbei oft um den Verbraucherschutz und unzulässige Gebühren geht. So werfen die Verbraucherzentralen ein Auge auf die Branche. Wir haben uns fünf interessante Entwicklungen in diesem Jahr und ihre Folgen für die Kunden der Banken angesehen.

BGH-Urteil zu den pauschalen Dispogebühren Abgelehnte Basiskonto-Anträge Breit gefächerte Gebührenerhöhung Flächendeckende Gebühr beim Abheben am Automaten? Das kostenlose "Vorteilskonto" der Commerzbank Fazit

BGH-Urteil zu den pauschalen Dispogebühren

Die Situation: Ende Oktober entschied der Bundesgerichtshof, dass bei einer geduldeten Kontoüberziehung keine pauschalen Kosten anfallen dürfen.

Hintergrund: Verbraucherschützer reichten gegen die Deutsche Bank und die Targobank Klage ein. In zwei Fällen drehte sich der Rechtsstreit um die Überziehung des Girokontos über den vertraglich vereinbarten Disporahmen. Die Targobank verlangte hierfür eine Gebühr von 2,95 € monatlich, die Deutsche Bank 6,90 € im Quartal. Die Richter in Karlsruhe gaben den Verbraucherschützern recht und erklärte die Gebühren für unwirksam.

Abgelehnte Basiskonto-Anträge

Die Situation: Seit Juni dieses Jahres ist das Basiskonto Pflicht. Seitdem müssen Banken jedem EU-Bürger die Eröffnung eines Basiskontos mit Pfändungsschutz und auf Guthabenbasis ermöglichen. Dennoch gab es vielfach abgelehnte Anträge, die vor allem, aber nicht ausschließlich Flüchtlinge betrafen.

Hintergrund: Ein Konto ist für die gesellschaftliche Teilhabe von Verbrauchern unumgänglich. Banken dürfen Antragsstellern nur unter speziellen Umstände die Eröffnung eines Basiskontos verweigern. Die Gebühren hierfür müssen laut Gesetz angemessen und marktüblich sein. Für die Banken sind diese Pflichtkonten wenig reizvoll, weshalb in der Vergangenheit immer wieder von abgelehnten Anträgen zu lesen war. Doch können Betroffene sich wehren und den Vorfall der Bundesaufsicht für Finanzen (BaFin) melden. Diese ist ihrerseits verpflichtet, die Lage innerhalb eines Monats zu prüfen.

Tipp: Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Ratgeberbeitrag: „Jedermann-Konto - bloß nicht abwimmeln lassen

Breit gefächerte Gebührenerhöhung

Die Situation: Banken könnten in nächster Zeit eine Vielzahl von Gebühren erhöhen. Die Einführung komplizierter Kontomodelle und andere Entwicklungen deuten daraufhin.

Hintergrund: Einige Banken wie die Sparkasse Chemnitz kassieren Gebühren, die für den Verbraucher schwierig zu erkennen sind. So wird bei der vierten Abhebung im Monat eine Gebühr von 30 Cent fällig. Und wer bei den Sparkassen Münzgeld abliefert, der zahlt seit März 2016 auch kräftig drauf: 50 % des eingezahlten Betrages bis zu einer Summe von 10 €. Die Gebühr für darüber liegende Beträge staffelt sich nach der Anzahl der abgegebenen Sicherheitstaschen – pro Tasche werden dann 5 Euro fällig. Und ein Ende der Gebührenerhöhungen scheint nicht in Sicht, wie der Professor für Unternehmensfinanzierung, Dirk Schiereck, RP-Online erklärt:

„Die aktuelle Diskussion um mögliche Gebühren für Barabhebungen kommt den Banken gerade recht. Dann können sie die Reaktion der Öffentlichkeit erfahren, ohne sich selbst aus der Deckung wagen zu müssen."

Schon bald flächendeckende Gebühr beim Abheben am Automaten?

Die Situation: Immer mehr Banken erheben Gebühren für das Abheben von Bargeld. Schuld ist die Niedrigzinspolitik, die Banken wenig bis gar nicht am Geld ihrer Kunden verdienen lässt.

Hintergrund: Die zunehmende Verbreitung von Gebühren für das Abheben von Bargeld sorgte in diesem Jahr für Empörung. Auch hier gibt Professor Schiereck eine klare Einschätzung, die er der Augsburger Allgemeinen verrät:

„Eine kostenlose Bargeldversorgung wird es künftig nicht mehr geben.“

Doch werden die Änderungen laut Schiereck nicht schon zu Beginn des neuen Jahres kommen. So sagte er der Zeitung weiterhin:

„Die ersten Banken werden ab 2018 vorpreschen.“

Eine ähnliche Prognose gibt auch Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. In seinem Gastbeitrag für n-tv schreibt er:

„Das kostengünstige oder gar kostenfreie Girokonto dient ihnen als Hebel, um an anderer Stelle Geld zu verdienen. Da ist es nur konsequent, dass all jene, die die Mindestvorgabe beim Geldeingang unterschreiten, zu Kunden zweiter Klasse degradiert und mit Gebühren belastet werden, die bei Gutverdienern nicht anfallen.“

Finanzinstitute haben zunehmend Schwierigkeiten, Geld zu verdienen. Zudem entstehen bei Tausenden Bargeldautomaten hohe Kosten für die Instandhaltung. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Gebühr für das Abheben von Bargeld auch bei anderen Banken eingeführt wird.

"Vorteilskonto" der Commerzbank als kostenloses Girokonto

Die Situation: Die Commerzbank bietet seit Ende Oktober ein sogenanntes „Vorteilskonto“ an. Das Konto ist kostenfrei und ohne Bedingungen wie z. B. Mindestgeldeingang. Zusätzlich gibt es einen 100 € - Einkaufsgutschein für REWE.

Hintergrund: Während das Gros der Banken kräftig an den Gebührenschrauben dreht, geht das Commerzbank Vorteilskonto einen völlig anderen Weg. Das wirft natürlich Fragen auf, die einen selbst nach dem Blick auf die Konditionen etwas ratlos zurücklassen. Lediglich die beleghaften Überweisungen schlagen mit 1,50 € zu Buche. Nahe liegt der Gedanke, dass die Commerzbank als breit aufgestelltes Full-Service-Finanzinstitut neue Kunden gewinnen und im Nachgang an weitere Finanzprodukte heranführen will. Beachtet werden sollte auch, dass eine Kreditkarte extra kostet und die Dispozinsen hoch sind.

Fazit

In diesem Jahr sind allerlei turbulente Entwicklungen passiert. Manche waren skurril, einige überraschend und die ein oder andere ärgerlich. Auch in Zukunft behalten wir die Entwicklungen bei Kontoführungsgebühren und Gesetzen im Blick – damit Sie im kommenden Jahr bestens informiert sind.

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