Girokonto-Umstellung: Das ändert sich für Postbank-Kunden

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Wer die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik seitens der EZB bisher noch nicht zu spüren bekam, erlebt bei einigen Banken eine unangenehme Überraschung. Vor allem dann, wenn er Postbank-Kunde ist. Hier werden nämlich seit November veränderte Kontoführungsgebühren fällig. Wir erklären, welche Änderungen auf Kontoinhaber zukommen.

Gründe für die Preiserhöhung Was Sie tun können Verbraucherzentrale mahnt ab Weitere werden folgen Fazit

Postbank Girokonto-Umstellung

Wer ist betroffen?

Über 5 Millionen Kunden der Postbank erhalten dieser Tage Briefe zur Einführung neuer Kontogebühren. Die Postbank führt aktuell diese Girokonto-Typen:

Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen Gebühren und die Änderungen ab November.

Produkt Gebühren vor dem 01.11.2016 Gebühren aktuell
Giro plus 5,90 € bis 1.000 € Geldeingang, danach kostenlos 3,90 € unabhängig vom Geldeingang
Giro extra plus 9,90 € bis 999,99 € Geldeingang / 3,90 € von 1.000 bis 3.999,99 € 9,90 € bis 2.999,99 € Geldeingang / kostenlos ab 3.000 € Geldeingang
Giro direkt 1,90 € unabhängig vom Geldeingang 1,90 € unabhängig vom Geldeingang
Giro start direkt kostenlos, gilt nur für Kontoinhaber bis Vollendung des 22. Lebensjahres kostenlos, gilt nur für Kontoinhaber bis Vollendung des 22. Lebensjahres
Giro Basis 5,90 € unabhängig vom Geldeingang 5,90 € unabhängig vom Geldeingang

Von den Veränderungen betroffen sind demnach die Konto-Modelle Giro plus und Giro extra plus. Das Kontomodell Giro direkt eignet sich nach Angaben der Postbank für „Kunden, die ihre Bankgeschäfte bevorzugt online, per Selbstbedienungsterminal in der Filiale oder per computergestütztem Telefonbanking tätigen“.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Obergrenze für eine kostenfreie Kontoführung gestiegen ist. Darüber hinaus wird das Giro plus, das viele Normalverdiener nutzen dürften, unabhängig vom Geldeingang kostenpflichtig werden.

Gründe für die Preiserhöhung

Der Konkurrenzkampf der Banken um Kunden ist härter geworden. Verschärft wurde dieser Kampf durch zwei gegensätzliche Entwicklungen. Zum einen ließ EZB-Präsident Mario Draghi im Zuge seiner scharf kritisierten Niedrigzinspolitik die Zinsen für den Euro herunterdrücken. Das betraf auch die Banken, die trotzdem vielfach an kostenlosen Girokonten festhielten, um Neukunden an sich zu binden.

Diese Zeiten scheinen jedoch vorbei zu sein. Erst kürzlich hatten die Sparkassen eine flächendeckende Einführung von Kontoführungsgebühren angekündigt. Bereits der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, sagte der „Bild“-Zeitung dazu:

„Ich erwarte, dass es in einigen Jahren praktisch nirgendwo mehr kostenlose Girokonten geben wird.“

Fahrenschons Zitat scheinen sich Banken zum Vorbild genommen zu haben. Denn ab dem 01. November werden bei der Postbank neue Gebühren fällig.

Anhand der neuen Preismodelle sind die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik nun auch für den Endverbraucher deutlich spürbar. Bereits seit Monaten haben die Banken sich, so scheint es, von den Klassikern Tagesgeld und Festgeld verabschiedet – die zum Teil verschwindend niedrigen Zinsen sprechen eine deutliche Sprache.

Susanne Klöß, Vorstand Produkte bei der Postbank, äußerte sich wie folgt dazu:

„Wir wollen als Postbank auch in Zukunft als eine leistungsstarke Online- und Filialbank für unsere Kunden da sein. Das Marktumfeld mit insbesondere dem Niedrigzinsniveau macht es uns aber immer schwerer, mit dem Girokonto Geld zu verdienen. Klar ist, dass unsere Dienstleistungen einen Wert und damit einen Preis haben. Mit der Neuordnung unserer Kontowelt schaffen wir eine faire Balance zwischen den Interessen unserer Kunden einerseits und denen unserer Aktionäre andererseits. Unsere Kunden haben abhängig von der Nutzung selbst die Wahl, welchen Preis sie künftig für ihr Postbank Girokonto zahlen.“

Hier kommt die Frage auf, ob kostenlose Girokonten also keinen Wert besitzen? Zahlreiche Direktbanken, die nach wie vor kostenlose Konten anbieten, würden dies wohl verneinen. Allerdings haben Direktbanken auch wesentlich weniger Personal und Infrastruktur zu finanzieren. Auch entfallen Kosten für die Instandhaltung von Filialen.

Was Sie tun können

Kontoführungsgebühren müssen Sie nicht einfach hinnehmen. Zwar werden höchstwahrscheinlich immer mehr Banken auf den Zug aufspringen und ihre Kontoführungsgebühren in die Höhe schrauben. Allerdings finden Sie auch heute noch durch einen effektiven Girokonto-Vergleich zahlreiche günstige oder gar kostenlose Girokonten. Auch ist ein Kontowechsel heutzutage nichts, wovor Sie sich fürchten müssen. Wer sich den Papierkram sparen will, kann sogar einen Umzugsservice in Erwägung ziehen. Drei gute kostenlose Girokonten sind zum Beispiel diese hier:

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kostenfrei Bargeld an ca. 25.000 Sparkassenautomaten
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Verbraucherzentrale mahnt ab

Überraschenderweise mahnte die Verbraucherzentrale Hamburg die Postbank für die Umstrukturierung ihrer Kontoführungsgebühren ab. Grund hierfür sei das frühere Versprechen der Postbank, Kunden ein dauerhaft kostenloses Girokonto garantieren zu können. Eine Reaktion des Kreditinstitutes steht zum aktuellen Zeitpunkt noch aus, man werde den Vorgang innerhalb der Frist (20. September) prüfen.

Weiterhin drohte die Verbraucherzentrale mit einer Klage, sollte die Postbank nicht einlenken. Käme es tatsächlich dazu, so wäre die Postbank womöglich gezwungen, die geplanten Konditionen den Forderungen der Verbraucherzentrale anzupassen.

Weitere werden folgen

Dass Sparkassen und Postbank ihre Gebührenmodelle bei Girokonten ändern, dürfte nur der Anfang einer neuen Preisentwicklung sein. Auch Kunden anderer Banken werden sich darauf einstellen müssen, dass ihre Konten kostenpflichtig werden. Positiv ist, dass die Rechte der Verbraucher in diesem Jahr gestärkt wurden. So hat seit Mitte Juni jeder geschäftsfähige Deutsche das Recht auf ein Basiskonto – unabhängig von seinen Einkommensverhältnissen. Dieses kann, muss jedoch nicht kostenlos sein.

Darüber hinaus wurde im September durch ein neues Gesetz der Kontowechsel für Verbraucher vereinfacht. So muss die Bank, zu der ein Kunde wechselt, ab sofort innerhalb von zwei Tagen Kontakt zur alten Bank aufnehmen und sich in einem Zeitraum von fünf Tagen sämtliche Lastschriftenaufträge, Überweisungen und Daueraufträge übermitteln lassen. Nach spätestens weiteren fünf Tagen muss das Konto fertig für den Kunden eingerichtet sein.

Fazit

Mit den Veränderungen der Kontoführungsgebühren ist wohl das Ende der Fahnenstange nicht erreicht. Zwar wolle man seitens der Banken den Kunden auf keinen Fall mit Negativzinsen belasten – allerdings nur, wenn es sich vermeiden lasse, so der Tonus. Und wenn das Wort Negativzinsen in den aktuellen Debatten bereits fällt, dann hat das Thema eine nicht zu unterschätzende Relevanz. Fakt ist aber auch, dass der Verbraucherschutz das Vorhaben der Gebührenerhöhung bei Girokonten erschwert. Wir dürfen gespannt sein!

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