Gute und schlechte Schulden – Wo ist der Unterschied?

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Für die meisten Menschen sind Schulden etwas Schlechtes. Klar - gut ist es nie, im Minus zu sein. Aber Schulden sind nicht gleich Schulden. Folgt man modernen Theorien, so lassen sich zwei Arten von Schulden unterscheiden.

Konsumschulden 3 einfache Tipps, um sich nicht zu verschulden Wie gerät man in die Falle? Investmentschulden Ich bin verschuldet – was nun? 3 Schritte, um aus Schulden herauszukommen Fazit

Unterschied zwischen guten und schlechten Schulden

1. Konsumschulden

Diese Schulden entstehen, wenn Sie Dinge auf Pump kaufen. Das sind die klassischen (schlechten) Schulden bzw. was die meisten darunter verstehen. Zu Konsumschulden gehören zum Beispiel Ratenkredite. Der Fernseher, das Auto, das Handy, die Spielkonsole – alles lässt sich mit einem Ratenkredit ‚kaufen‘. Doch das ist ein Trugschluss. Denn Besitzer sind Sie damit noch lange nicht. Die Anschaffungen gehören der Bank, solange Sie die Raten noch nicht vollständig abbezahlt haben.

Und Werte schaffen Sie mit Abschluss des Kreditvertrages / Kauf des Konsumgutes auch nicht. Im Gegenteil. Sie zahlen (immer) viel zu hohe Zinsen und das Autos ist direkt nach dem Kauf 1/3 weniger wert. Wer gewinnt ist die Bank. Der Kunde verliert immer. Schlechte Schulden.

Der selbsternannte Investment Punk Gerald Hörhahn setzt Konsumschulden sogar mit Drogen gleich. Mit seiner Kritik steht der Unternehmer nicht allein da. Auch Finanzberater Thomas Mai rät von Konsumschulden eindringlich ab. So sagte er in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau auf die Frage, welches die größten Finanzsünden seien:

„Konsumschulden, ob Handyvertrag oder Stereoanlage. Wenn ich eine Reise nach Kenia buche und dafür mit 2.000 Euro mein Girokonto überziehe, wofür ich oft enorme Zinsen zahle, aber gleichzeitig 3.000 Euro auf dem Sparbuch mit einem Prozent herumliegen habe, ist das in der Regel Nonsens.“

Mai sieht die Gefahren in der zunehmenden Komplexität unseres Lebens. Wo früher die Bedingungen für eine Haftpflichtversicherung ähnlich waren, können heute schon einmal Stunden vergehen, um die passenden Angebote herauszusuchen. Daher warnt Mai davor, das Thema Geld stiefmütterlich zu behandeln – dafür gehe es um zu viel.

3 einfache Tipps, um sich nicht zu verschulden:

  • Das Thema Geld aktiv angehen.
  • Nichts auf Pump kaufen.
  • Vergleiche machen (Versicherungen, Girokonten etc.) – auch wenn diese Zeit kosten.

Auch Hörhahn vertritt den Ansatz, dass die Gesellschaft eine Verantwortung für diese Entwicklung trägt. So sieht er die Ursachen dafür in der mangelnden Bildung und dem sozialen Umfeld, das Druck auf den Einzelnen aufbaue. Schulden, das würden Freunde und Bekannte ebenso wie der Staat zeigen, werden als völlig normal empfunden.

Das ergab der Schuldneratlas 2015. Zu den Hauptüberschuldungsgründen zählt mit 11,5 % eine unwirtschaftliche Haushaltsführung. Das ist ein Anstieg um 2 % im Vergleich zur Datenerhebung 2008. Eine gute Entwicklung gibt es jedoch: Schlug der Grund „Arbeitslosigkeit“ damals noch mit 28,2 % zu Buche, waren es 2015 „nur“ 17,9 %.

Wie gerät man in die Falle?

Fassen wir zusammen: Konsumschulden sind deshalb so gefährlich, weil sie gesellschaftlich akzeptiert und sogar als normal angesehen werden. Hinzu kommt, dass wir Menschen dazu neigen, unsere Bedürfnisse schnell befriedigen zu wollen. Wir wollen das neue iPhone jetzt und nicht erst in in ein paar Monaten. Das Auto muss jetzt sein und sollte natürlich auch was hermachen. Das neue Handy kann man sich nicht leisten, aber eine Ratenzahlung über 24 Monate ist drin – oder? Hier setzt bei manchem der Verstand aus.

Zum Vergleich: Bei einem bekannten Mobilfunkanbieter lässt sich das Handy HTC ONE A9 ‚bequem‘ in Raten kaufen – der Gesamtpreis beträgt bei diesem Zahlungsmodell 481 €. Das gleiche Handy kostet bei Amazon 351 €. Sie zahlen also 130 € mehr, nur um diese Leistung seitens des Mobilfunkhändlers in Anspruch zu nehmen.

Die Regel, nicht die Ausnahme

Und das ist kein Einzelfall, denn bedenken Sie, dass diese Ratenkredite für Konsumgüter vor allem dem Händler und der Bank nützen. Unternehmen spielen geschickt mit unserer Lust auf Luxus. Kaufe heute, zahle morgen. Lebe jetzt, oder wie die Einfältigen zu sagen pflegen: You only live once (YOLO).

Solche Schulden kehren zu uns jedoch wie ein Bumerang zurück. Der Klassiker ist hierbei übrigens der Dispo. Wer diesen regelmäßig in Anspruch nimmt, der zahlt viel zu hohe Zinsen an die Bank, wie die Stiftung Warentest bestätigt. Die Versuchung, sich im Konsum zu verschulden, lauert an jeder Ecke. Junge Menschen, die in die Zukunft blicken sind genauso gefährdet wie alte Leute, die sich ‚endlich mal etwas gönnen wollen‘.

  • Der Klassiker unter den Schulden: Die Dispofalle

Ein gutes Einkommen schützt übrigens nicht vor der Gefahr der Verschuldung. Denn vielmehr als das Geld auf dem Konto ist die Einstellung zu Schulden entscheidend.

Das ist der Grund, weshalb der Großteil der Lotto-Millionäre nach wenigen Jahren wieder arm ist. Der Reichtum kommt plötzlich, doch diese Menschen haben keine Strategie entwickelt, vernünftig mit diesem Geld umzugehen. Häufig sind die Glücks-Millionäre am Ende hoch verschuldet. Warum? Genau – weil sie Konsumschulden gemacht haben und anschließend in Verträgen mit horrenden Zinsen feststecken.

2. Investmentschulden

Kommen wir zu den „guten“ Schulden, den sogenannten Investmentschulden. Investmensts sind Güter oder Engangements, die mit der Absicht gekauft oder eingegangen werden, einen Gewinn durch Wiederverkauf oder einen Cashflow zu erzielen. Investments können Aktien, Fonds oder Beteiligungen an Unternehmen sein, aber auch Kunst, Antiquitäten oder Immobilien. Immobilien in erster Linie wenn sie vermietet werden. Mit Einschränkungen gehören auch selbst genutzte Immobilien dazu. Wer eine Wohnung kauft und vermietet, erzeugt Cashflow (Mieteinnahmen).

Beim Kauf einer Eigentumswohnung oder eines Eigenheims zur Selbstnutzung spielt der Kaufpreis, das Entwicklungspotenzial der Immobilie (Mieterhöhungen, Verkaufspreis) und die Höhe der Aufwendungen für den Erhalt und die Pflege eine besondere Rolle. Denn letzteres müssen Sie als Selbstnutzer von ihrem bereits versteuerten EInkommen bezahlen. Wer vermietet, hat deutlich mehr Vorteile. Das fängt bei den absetzbaren Finanzierungskosten an und hört bei den Instandhaltungskosten auf, an denen Sie das Finanzamt beteiligen dürfen. Außerdem haben Sie als Vermieter die Kosten für Strom, Wasser und Heizung nicht zu tragen und können alle Dienstleistungen rund um die Immobilie komplett absetzen.

Investitionsgüter können sein:

  • Unternehmensbeteiligungen
  • Kunst, Antiquitäten
  • Oldtimer oder andere Sammlerobjekte
  • Immobilien

Einige dieser Möglichkeiten sind mehr oder weniger ertragreich. Auch hierbei gilt: Gut informieren, klug investieren. Wer sich mit Kunst oder alten Autos nicht auskennt, sollte die Finger davon lassen. Und bei Immobilien gilt ganz besonders: Lage, Lage, Lage!

Wie funktionieren Investmentschulden?

Investmentschulden entstehen, wenn Fremdkapital für die Finanzierung verwendet wird. Sie leihen sich also Geld, um eine Investition zu tätigen. Das klingt zunächst nach einem ebenso schlechten Deal wie bei den Konsumschulden. Doch hier gibt es einen großen Unterschied: Das Investitionsgut ist etwas Wert und wird bestenfalls noch wertvoller. Auch aus diesem Grund können Investoren sich Fremdkapital meist zu besseren Bedingungen leihen. Häufig sind die Zinssätze niedriger als bei Konsumentenkrediten, weil die Bank den Kredit über den Vermögenswert absichern kann. Können Sie als Investor die Kreditrate nicht mehr bedienen, gehört der Bank immer noch das Investitionsgut.

Ich bin verschuldet – was nun?

Schulden können schnell entstehen, selbst wenn Sie mit Bedacht konsumieren oder investieren. Die Mietzahlungen sind fällig, aber die Mieter überweisen nicht. Natürlich können Sie ein Inkassobüro beauftragen, aber die Einnahmen haben Sie erst einmal nicht. Oder Sie werden plötzlich vom Partner verlassen, hängen aber noch in Verträgen, die Sie allein nicht mehr finanzieren können. Diese und ähnliche Szenarien haben wenig mit dem eigenen Verhalten zu tun.

Umso wichtiger ist es, vernünftig zu reagieren. Wenn Sie die folgende Grundregel beherzigen, sind Sie auf jeden Fall vor den größten Schuldenfallen gefeit: Geben Sie nie mehr Geld aus, als Sie haben. Niemals, never ever und wirklich ohne Ausnahme. Auch nicht für das Smartphone, nicht einmal für einen Becher Kaffee. Denn es ist genau diese Denkweise – kaufe heute, zahle morgen – die ins Verderben führt.

3 Schritte, um aus Schulden herauszukommen

1. Überblick verschaffen

Gehen Sie Ihre Kontoauszüge durch, scannen Sie die Unterlagen, wühlen Sie sich durch die Verträge und vor allem – schauen Sie in die AGB, wie Sie da so schnell wie möglich herauskommen bzw. wie lange der Vertrag noch läuft. Es ist wichtig, überhaupt zu wissen, wo Ihre Schulden entstehen.

2. Konsequent abbezahlen

Tilgen Sie Ihre Schulden so schnell wie möglich. Dazu gehört etwas Selbstdisziplin. Restaurantbesuche müssen dann eine Weile ausfallen, das neue PC-Spiel und die schicke Uhr können Sie sich gerade nicht leisten. Diese Bescheidenheit führt uns zurück zu dem Grundsatz: Kaufe nur, was du dir leisten kannst. Nutzen Sie für das Tilgen auch Spareinlagen auf dem Tagesgeld, denn dort gibt es weniger als 1 % Zinsen. Ihr Kredit kostet sicherlich deutlich mehr als 1 % pro Jahr.

3. Hilfe suchen

Vielen Menschen fällt es schwer, allein aus dem Schuldensumpf herauszukommen. Neben der finanziellen Belastung kommen Schamgefühle hinzu. Dabei ist es nicht peinlich, in die Schuldenfalle zu geraten. Unser Wirtschaftssystem und die Werbung wollen uns schließlich permanent dazu drängen, Schulden zu machen.

  • Wirtschaft und Werbung wollen uns zu Schuldnern machen.

Nur sehr bewusste, reflektierte Personen können dem dauerhaft widerstehen. Der deutsche Staat hat aktuell um die 2.026.000.000.000 € Schulden. Es geht also nicht nur Ihnen so. Scheuen Sie sich daher nicht, eine Schuldnerberatung aufzusuchen.

Fazit

Merken wir uns: Konsumschulden sind schlecht. Investmentschulden hingegen sind wesentlich sinnvoller und können, richtig eingegangen, zu Gewinnen und positivem Cashflow führen. Informieren Sie sich unbedingt vorab gründlich – Geldinvestments muss man verstehen, bevor man sie tätigt. Sollten Sie in die Schuldenfalle getappt sein, verzweifeln Sie nicht! Suchen Sie Hilfe, ziehen Sie Bilanz und zahlen Sie diszipliniert ab. Dann kommen Sie da auch wieder heraus.

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