So frisst die Inflation Ihr Geld auf

Stand: 09.11.2022

Bei einer Inflation wird das Geld auf dem Konto nicht weniger, Sie können von Ihrem Ersparten nur weniger kaufen also noch ein Jahr zuvor, weil die Preise für Waren und Dienstleistungen gestiegen sind. Sorry, aber aktuell können Sie leider gar nichts dagegen tun. Sie können die Geldentwertung nur abmildern. Nehmen Sie sich ein paar Minuten für diesen Beitrag. Es lohnt sich.

Wie entsteht Inflation? Ist eine Inflation gut oder schlecht? Wie wird die Inflationsrate berechnet? Warum ist die Inflationsrate wichtig? Aktuelle Inflationsrate Niedrigzinsen und ihre Folgen Experten warnen So berechnen Sie Ihren Kaufkraftverlust Wie kann ich gegensteuern? Fazit

Wie entsteht Inflation?

Die Inflation ist ein Preisanstieg. Wenn sich die Geldmenge erhöht und die Güter einer Volkswirtschaft nicht in demselben Maße produziert werden, verliert das im Umlauf befindliche Geld an Wert, weil mehr Menschen bereit sind einen höheren Preis zu bezahlen. Inflation ist also das Resultat eines Missverhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage. Sie können sich eine Inflation wie eine Blase vorstellen, die sich immer weiter aufbläht, was auch schon der lateinische Wortstamm verrät. Grundsätzlich wird zwischen drei Inflations-Arten unterschieden:

  1. Importierte Inflation
  2. Nachfrage-induzierte Inflation
  3. Angebots-induzierte Inflation

Importierte Inflation

In diesem Fall wird eine Inflation aus dem Ausland „importiert“. Erfolgt im Ausland ein Preisniveauanstieg, tendieren Unternehmen dazu, ihre Waren in jenes Land zu exportieren, um höhere Preise zu erzielen. Es entsteht ein Missverhältnis zwischen Import und Export, was zu einer Verknappung der Waren im Inland und somit zu einem Preisanstieg führt. Weiterhin kommt es durch den starken Export zu einem erheblichen Anstieg der Geldmenge im Inland. Schlussendlich kommt die direkte Übertragung hinzu: Ein Preisanstieg im inflationsbelasteten Ausland führt zwangsläufig zu einem Preisanstieg der betroffenen Güter im Inland.

Nachfrage-induzierte Inflation

Hier ist die Nachfrage größer als das Angebot, was die Preise für die nachgefragten Güter in die Höhe treibt. Diese Nachfrage entspringt privaten und öffentlichen Haushalten, sowie Unternehmen.

Angebots-induzierte Inflation

Verfügt ein Unternehmen aufgrund geringer Konkurrenz über ein Preismonopol, ist der Spielraum entsprechend hoch, die Preise für produzierte Güter selbst festzulegen. Aus diesem Grund sind in Deutschland z.B. Kartellbildungen verboten, um eine Monopolisierung des Marktes und eine daraus resultierende Angebots-induzierte Inflation zu verhindern. Auch der Kostendruck kann als Hintergrund für diese Form der Inflation dienen, etwa wenn Rohstoff- oder Steuerkosten steigen.

Ist eine Inflation gut oder schlecht?

Für den Verbraucher sind inflationäre Entwicklungen in der Regel schlecht. Wenn bei gleichbleibendem Lohn die Preise für Produkte steigen, wirkt sich das negativ auf die eigene Kaufkraft aus. Es ist weniger Geld für andere Dinge da und alles wird teurer. Für einen Staat kann eine Inflation jedoch Vorteile haben, denn auf der einen Seite werden Geldvermögen (der Bürger) und auf der anderen Seite Schulden (des Staates) vernichtet.

Wie wird die Inflationsrate berechnet?

Um die Inflation einzelner Staaten bzw. ganzer Staatenverbände wie der Europäischen Union einzuschätzen, wird die Inflationsrate errechnet. Diese ist auch für die Europäische Zentralbank ein wichtiger Bestandteil ihrer Geldpolitik. Zur Berechnung der Inflationsrate werden weit verbreitete Güter und Dienstleistungen herangezogen, Luxusartikel fallen hingegen nicht so stark ins Gewicht.

Ausschlaggebend für die Berechnung der Inflationsrate ist der Verbraucherpreisindex. So ermittelt das Statistische Bundesamt in Deutschland jeden Monat die durchschnittliche Entwicklung der Verbraucherpreise.

Für diesen Zweck beobachten Preiserheber die Entwicklung der Preise für die gleichen Produkte in verschiedenen Geschäften. Diese Auswahl, in der über 300.000 Einzelpreise in rund 600 Güterarten erhoben werden, wird auch Warenkorb genannt. All diese Ergebnisse fließen in den Verbraucherpreisindex ein. Die Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vormonat bzw. zum Vorjahr wird auch als Inflationsrate bezeichnet.

Was ist so wichtig daran?

Der Verbraucherpreisindex bzw. die Inflationsrate sind ausschlaggebend für die Einschätzung des Geldwertes. Mietzahlungen und Betriebsrenten orientieren sich stark an diesen Berechnungen. Darüber hinaus ist die Inflationsrate ein elementares Instrument für die EZB, um ihre Geldpolitik zu betreiben und für Stabilität zu sorgen. Ob und wie gut die Europäische Zentralbank dies derzeit tut, darüber lässt sich streiten.

Aktuelle Inflationsrate

Die aktuelle Inflationsrate beträgt 7,9 % (Stand: August 2022). Berücksichtigen Sie dabei jedoch, dass es sich beim angegebenen Wert wie bereits angedeutet um den Preisanstieg im Vergleich zum Vormonat handelt. Anleger von Tagesgeld und Festgeld haben damit ein Problem, denn ihr Geld wird immer weniger statt mehr.

7,9 %
Inflationsrate im September 2022.

Niedrigzinsen und ihre Folgen

Bis Ende 2021 betrieb die Europäische Zentralbank eine Niedrigzinspolitik. Durch diese Niedrigzinspolitik gingen Sparern Milliarden verloren. Berechnungen der Postbank zufolge verloren die deutschen Anleger 2013 ca. 14 Milliarden, im Jahr 2014 sogar 21 Milliarden Euro. Diese Entwicklung lässt sich auf die Verbindung von niedrigen Zinsen bei gleichzeitig höherer Inflationsrate zurückführen.

Zinsen so niedrig wie nie

Ob Sparbuch, Tagesgeld oder Festgeld: Seit vielen Jahren waren niedrige Sparzinsen für den Verbraucher eher die Regel als die Ausnahme. Gleichzeitig stiegt die Inflationsrate und die EZB betreibt weiterhin Niedrigzinspolitik. Sie ist verantwortlich für die Preisstabilität im EU-Raum und hat es sich zum Ziel erklärt, die Inflationsrate in der aktuellen Lage anzuheben, aber unter 2,0 % zu halten.

Hinweis

Nach wie vor gilt das Sparbuch als eine solide Geldanlage. Doch auch Kleinsparer müssen sich in Niedrigzinsphasen und Phasen steigender Inflationsraten nach besseren Anlagemöglichkeiten umsehen. Nutzen Sie für Tagesgeld oder Festgeld beispielsweise unsere Vergleiche. Beschäftigen Sie sich aber unbedingt auch mit der Börse. Insbesondere mit ETFs und Aktien. Auf längere Sicht sind diese Anlageformen unschlagbar.

Experten warnen

Zahlreiche Ökonomen, aber auch ein großer Teil der europäischen Bevölkerung, sind von der Geldpolitik der EZB nicht überzeugt. Proteste wie 2015 in Köln machen deutlich, dass die Unzufriedenheit über niedrige Zinsen und die damit verbundenen Verluste wächst. Der EZB unter Leitung von Christine Lagarde wird vorgeworfen, eine intransparente, systemerhaltende und verbraucherfeindliche Linie zu fahren.

Doch nicht nur der unmittelbare Geldverlust bei Einlagen ist ein Problem. Experten sehen auch Risiken für die Finanzmarktstabilität. Einige Prognosen stellen die Behauptung auf, dass Banken durch die niedrigen Zinsen einen gelockerten Umgang mit der Kreditvergabe pflegen und ihre Standards für Darlehen deutlich senken. Bisher scheint sich diese Befürchtung zumindest in Deutschland nicht zu bestätigen. Erst seit 2011 ist das Kreditvolumen in Deutschland wieder im Aufwärtstrend und trotz dieser Entwicklung weit unter den düsteren Prognosen.

Bei Immobilienfinanzierungen gibt es seit 2016 das Kreditimmobiliengesetz. Es schreibt Banken eine gründlichere Prüfung der Bonität von Kreditnehmern vor und soll so Zahlungsausfälle in der Zukunft verhindern, damit es nicht wie in den USA zu einer Kreditblase kommt.

2022: Hohe Inflationsraten bei nur langsam steigenden Realzinsen

Eine Hauptaufgabe der Zentralbanken ist die Bekämpfung der Inflation. In diesem Jahr sorgen Lieferengpässe wegen Corona-Lockdowns in China und die Energiepreiskrise in Europa für anhaltend hohen Inflationsdruck. Die EZB und allen voran die US-Notenbank FED wollen die Inflation bekämpfen, indem sie die Zinsen erhöhen und so dem Preisdruck entgegenwirken. Gleichzeitig dürfen Sie dabei jedoch die Wirtschaft nicht mit zu hohen Zinsen belasten und eine Rezession herbeiführen, was einen wirtschaftlichen Abschwung nach sich ziehen würde.

Für Verbraucher sind steigende Zinsen natürlich gut. Sie reichen aktuell aber nicht aus um den Kaufkraftverlust auszugleichen, da sie viel niedriger als die Inflationsrate sind. Im Grunde wird derzeit das Geld noch schneller weniger Wert als während der jahrelangen Niedrigzinsphase. Als Sparer und Kleinanleger muss man derzeit hilflos zusehen, wie das Geld immer mehr an Wert verliert.

Persönlichen Realzins und Kaufkraftverlust berechnen

Der Realzins berechnet sich grundsätzlich aus der Inflationsrate in % und dem Nominalzins (Zinssatz zu dem Ihr Erspartes angelegt ist) in %. Nehmen wir an Ihr Geld liegt auf einem mit 1,00 % verzinsten Tagesgeldkonto (Ihr Nominalzins) und die Inflationsrate liegt bei 7,00 %. Dann liegt Ihr persönlicher Realzins bei 7 – 1 = 6. Also -6,00 %. Das heißt, Ihr Geld wird jährlich um 6,00 % weniger wert. Aus 100.000 Euro Kaufkraft sind so nach einem Jahr nur noch 94.000 Euro Kaufkraft übrig. Auf Ihrem Konto bleiben es 100.000 Euro, der Kaufkraftverlust liegt jedoch bei 6.000 Euro, weil Sie heute mit dem 100.000 Euro weniger kaufen können als noch im Jahr zuvor. Das merken wir aktuell sehr schmerzlich beim Bezahlen an der Supermarktkasse.

Beispielrechnung

Bei 7 % Inflation und 1 % auf Tagesgeld ergibt sich eine Inflation von 6 %. Von 100.000 Euro Kaufkraft bleiben nach einem Jahr 94.000 Euro Kaufkraft übrig.

Was können Sparer also tun?

Gegen den Kaufkraftverlust ist – wie bereits mehrfach erwähnt – derzeit wenig auszurichten. Sie können die Folgen nur abmildern. Das bedeutet Sie müssen versuchen Ihren persönlichen Nominalzins zu erhöhen. Das funktioniert nur durch Geldanlagen, die einen Zins abwerfen. Das können Sparkonten wie Tagesgeld oder Festgeld sein, aber auch Anlagen in Aktien, Fonds, Anleihen oder Immobilien.

  • Tagesgeldkonto, Festgeldkonto
  • Aktien, ETFs oder Fonds
  • Anleihen, Immobilien

Sehr einfach: Mit Tagesgeld und Festgeld

Stand heute, Ende September 2022, macht aus unserer Sicht nur die Anlage in Tagesgeld oder Festgeld mit Laufzeiten bis zu 6 Monaten Sinn. Wer sich länger als 6 Monate mit Festgeld bindet, verpasst womöglich angesichts weiterer zu erwartenden Zinserhöhungen durch die Zentralbanken einen noch höheren Zinssatz. Festgeld macht erst Sinn, wenn ein Ende des Zinserhöhungszyklus abzusehen ist. Davon ist aktuell aber nicht auszugehen.

Tipp

Besser in Tagesgeld als in Festgeld anlegen um von weiteren Zinserhöhungen in den nächsten Monaten zu profitieren. Festgeld besser nur für wenige Monate abschließen und erst zugreifen, wenn ein Ende der Zinserhöhungen in Sicht ist. Hier geht es zu unserem Tagesgeld Vergleich.

Einfach: Mit Aktien oder ETF`s

Vielleicht haben Sie schon ein Wertpapier-Depot. Dann wissen Sie vielleicht auch, dass Aktien und Wertpapiere auf lange Sicht fast unschlagbar sind. Die Börsenkurse fallen seit Monaten wegen der Inflation, weil sich die Gewinnerwartungen aufgrund höherer Finanzierungskosten der Unternehmen verringern und sich mit steigenden Anleiherenditen risikoarme Alternativen auftun. Auf lange Sicht – also 5, 10, 15, 20 Jahre oder mehr entstehen durch die aktuelle Situation aber auch enorme Chancen. Wer jetzt beispielsweise damit beginnt einen Sparplan einzurichten oder sogar Teile einer größeren Geldsumme nach und nach in Aktienfonds, ETFs oder Aktien von guten Unternehmen zu investieren, wird nach dem Abklingen der hohen Inflation Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den Gewinnern gehören. Gute Wertpapierdepots mit günstigen Sparplänen bieten die Comdirect Bank oder Consorsbank.

Tipp

Ein Aktiensparplan ist schnell eingerichtet. Einfach Wertpapierdepot eröffnen und einen Sparplan mit monatlicher Sparrate aktieren. Ein oft empfohlener ETF ist beispielsweise der iShares MSCI World UCITS ETF mit der WKN A0RPWH. Bei der Consorsbank gibt es derzeit 20,00 Euro Prämie für den Abschluss eines Wertpapiersparplans.

Fazit

Auch wenn die Inflationsrate viele Jahre gefühlt niedrig war, schadet die aktuelle Niedrigzinspolitik den Spareinlagen der Verbraucher. Angesichts der niedrigen Zinsen machen Anleger mit den klassischen Einlagen wie dem Sparbuch oder Tagesgeldzinsen unterhalb der Inflationsrate ein Verlustgeschäft. Das muss man so ganz klar festhalten.

Aktien von großen, bekannten Unternehmen oder breit gestreute (weltweite oder Themen-) ETFs sind eine gute Möglichkeiten von zukünftigen Gewinnsteigerungen. Gerade angesichts der bereits längeren Korrekturphase an den Börsen der Welt. Wenn Sie sich mit Aktien oder Fonds nicht auskennen, suchen Sie Rat bei einem Anlageberater, der nicht auf Provisionsbasis arbeitet, sondern ein Honorar für seine Dienste verlangt. So können Sie sicherer sein, dass er Ihnen auch wirklich alle Möglichkeiten vorstellt und nicht ausschließlich Produkte verkauft, an denen er Geld verdient.

Ihre Fragen und Kommentare zu diesem Beitrag

Muss ich vom Girokonto mein Geld wegen Inflation abheben?

von Doris ahrens

Antwort vom Kontofinder Team

Bei einer Inflation nimmt der Wert Ihres Geldes ab. Dabei steigen die Preise für Waren und Dienstleistungen, so dass Sie sich z.B. von 100 Euro weniger kaufen können als bei einer niedrigeren Inflationsrate. Wenn Sie Ihr Geld auf dem Girokonto oder einem niedrig verzinsten Sparkonto belassen, verlieren Sie durch dien niedrigen Zins im Vergleich zur Inflationsrate jedes Jahr ein bisschen Geld. Es macht daher Sinn, das Geld anderweitig anzulegen. Zum Beispiel in Wertpapiere, Immobilien oder andere Wertgegenstände. Höhere Zinsen sind dabei immer mit einem höheren Risiko verbunden. Wichtig ist es Ihr Geld nur so anzulegen, dass Sie auch ruhig schlafen können. Sie sollten sich stets über die Chancen und Risiken bewusst sind.