N26: Neue Entwicklungen bei der Direktbank

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In der Vergangenheit haben wir häufiger über das Berliner Finanzunternehmen N26 (früher: Number26) berichtet. Das Startup fiel vor allem durch seine innovativen Alternativangebote zu den klassischen Bankingmodellen auf. So ist es inzwischen auch möglich, Investments über die App zu verwalten. Doch wie funktioniert N26 und kann es das klassische Banking ersetzen?

Wie funktioniert N26? Cash26 Was macht die App anders als Banken? Wie verdient N26 Geld? Zahlungen und Überweisungen N26 Black Mitgliedschaft N26 Business Investments mit vaamo PULSE26 Wie sicher ist N26? Wohin geht die Reise? Fazit

Neuerungen bei der Direktbank N26

Um die eigene, vornehmlich junge und urbane Zielgruppe zu erreichen, hat N26 sein Angebot in den vergangenen Monaten stetig ausgebaut. So sollen neben Privat- auch Businesskunden angesprochen werden.

Wie funktioniert N26?

Für die Nutzung der Banking-App N26 wird eine Mastercard benötigt. Um diese zu erhalten, muss eine Online-Registrierung bei N26 mit Video-Ident durchgeführt werden. Sobald die Registrierung abgeschlossen ist, wird die Mastercard mit der Post zum Kunden geschickt.

Registrierung, N26 Girokonto und die dazugehörige Mastercard sind kostenlos, es entstehen also keine Karten- oder Kontoführungsgebühren. Wird der Dispo in Anspruch genommen, kommen Zinsen in Höhe von 8,9 % auf den Kontoinhaber zu. Für die Abhebung in einer Fremdwährung nimmt N26 1,7 % des Betrages an Gebühren. Verfügt der Nutzer über den Account und die Karte, kann er online Geld von einem Girokonto seiner Wahl auf das N26-Konto überweisen. Auch eine Bareinzahlung geht, dazu gleich mehr.

Anschließend ist es möglich, mit der (Debit-) Mastercard auch im Ausland kostenlos Bargeld abzuheben. Dabei fungiert die Mastercard im Prinzip wie eine Girokarte, d.h. Inhaber können Geld abheben und shoppen, ohne die Mastercard vorher aufladen zu müssen - das Geld wird direkt und mit einem maximalen Überziehungsrahmen von bis zu 2.000 Euro (abhängig vom Gehalt) vom N26 Girokonto abgebucht.

Künftig sollen Kunden auch online einen Kredit beantragen können und im selben Augenblick eine Zu- oder Absage von N26 erhalten.

Cash26

Mit Cash26 räumt N26 seinen Kunden die Möglichkeit ein, Bargeld an mehr als 6.000 Anlaufstellen in Deutschland abzuheben. Der Nutzer gibt in der App einen Betrag ein, wählt dann zwischen Einzahlen oder Auszahlen aus und erhält nun einen automatisch generierten Barcode. Mit diesem geht er in eines der Partnergeschäfte von N26 und führt dort die Transaktion durch. Folgende Partner sind am Programm beteiligt:

  • REWE
  • Real
  • Penny
  • BUDNI
  • Ludwig
  • ON Express
  • Eckert
  • Adam’s
  • Barbarino
  • Mobilcom Debitel

Abhebungen sind dabei kostenlos, Einzahlungen bis zu 100 € ebenfalls. Es können maximal 300,00 € mit einer Transaktion ausgezahlt werden.

Was macht N26 anders als Banken?

Bereits in der Vergangenheit haben die ambitionierten Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal mit dem StartUp Papayer eine Symbiose von App und Prepaid-Kreditkarte angeboten, damals noch für Teenager. Nun wollten sie an die erwachsenen Kunden herantreten.

Die zügige Kontoeröffnung, das schnelle Registrierungs-Verfahren, das moderne Corporate-Design: N26 gibt sich große Mühe, um den an Flexibilität und Mobilität gewöhnten Kunden von heute zu erreichen.

Schwerpunkt in diesem Geschäftsmodell ist die App, die auf lange Sicht das Online-Banking vom PC komplett auf das Smartphone holen soll. Auch die kostenfreie Nutzung einer Mastercard dürfte für viele Verbraucher in Zeiten steigender Banken-Gebühren attraktiv erscheinen.

Wie verdient N26 Geld?

Wenn ein Startup nur teilweise Gebühren von seinen Kunden erhebt, darf man selbstverständlich die Frage nach dessen Einnahmen stellen. Auf der Homepage wird erläutert, dass die Händler bei jeder Transaktion mit Kreditkarte einen kleinen Betrag zahlen.

Weiterhin verdient N26 an den Kunden-Einlagen, für die keine Zinsen gezahlt werden. Darüber hinaus ist das Einzahlmodell Cash26 seit Mai 2016 zum Teil kostenpflichtig. Ab einer Einzahlsumme von 100 € wird eine Gebühr in Höhe von 1,50 € erhoben.

Nicht zu vergessen auch die Gebühren für das Abheben an Geldautomaten innerhalb Deutschlands:

  • Für Kunden mit Hauptkonto bei N26: 5 Abhebungen kostenlos pro Kalendermonat, 2,00 € für jede weitere Abhebung
  • Für Kunden ohne Hauptkonto bei N26: 3 Abhebungen kostenlos pro Kalendermonat, 2,00 € für jede weitere Abhebung

Eine berechtigte Ablehnung des Einzugs einer Lastschrift mangels Deckung schlägt zudem mit 3,00 € pro Unterrichtung zu Buche. N26 Flex-Kunden und N26-Basiskonto-Neukunden sollten darüber hinaus einen genauen Blick in die Preisliste werfen, da sie 6,00 € pro Monat an Gebühren bezahlen.

Zahlungen und Überweisungen

Derzeit sind Bezahlvorgänge bei N26-Nutzern via MoneyBeam möglich. Empfänger müssen nicht über ein MoneyBeam-Konto verfügen, es genügt ein normales Girokonto, um das Geld zu empfangen. Nicht-Kunden erhalten in diesem Fall einen sogenannten Offline-MoneyBeam in Form einer SMS oder einer E-Mail mit einem Link. Anschließend kann der Geldempfänger seine Kontodaten eintragen. Ob das allerdings für jeden Kontakt im eigenen Telefonbuch eine denkbare Option ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Zudem ist die neue Serie der N26-Karten mit einer NFC-Funktion ausgestattet. Mit dieser lassen sich nun kontaktlose Zahlungen bei Händlern vornehmen, welche die Technologie unterstützen.

N26 Black Mitgliedschaft

Seit November 2016 bietet N26 neben dem klassischen App-Dienst die sogenannte N26 Black Mitgliedschaft an. Dabei handelt es sich um einen speziellen Kontotyp, der monatlich 5,90 € kostet und folgende Features bietet:

  • Versicherungsschutz für Reisen ins Ausland
  • Matt-schwarze World Elite Mastercard ohne Hochprägung
  • Diebstahlversicherung für das Mobiltelefon des Kunden
  • Abhebungen in Fremdwährung kostenlos
  • Erweiterung einer bestehenden Herstellergarantie von bis zu einem weiteren Jahr für versicherte Geräte

Die Mitgliedschaft schließt außerdem einen weltweiten Versicherungsschutz mit ein. Partner ist hier die Allianz Global Assistance. So werden Krankenrücktransporte, Krankenhaus- und Arztkosten, Aufwendungen während einer Flugverzögerung von mehr als vier Stunden, sowie Aufwendungen, wenn eingechecktes Gepäck 6 Stunden später als der Kontoinhaber am Zielort ankommt, erstattet.

Auch im Falle eines Überfalls verpflichtet sich N26, für den entstandenen Schaden durch illegales Abheben (bis zu vier Stunden) aufzukommen. Die Mindestlaufzeit für die Mitgliedschaft beträgt 1 Jahr.

N26 Business

Für Selbstständige und Freiberufler gibt es seit November 2016 ein Geschäftskonto unter der Bezeichnung N26 Business. Wer dieses Angebot wahrnimmt, erhält neben der Maestro Girocard eine Business Mastercard, die überwiegend für geschäftliche Zwecke genutzt werden muss. Private Ausgaben wie Mietzahlungen sind jedoch erlaubt.

Mit jedem Mastercard-Einkauf werden vierteljährlich 0,1 % Cashback gutgeschrieben. Darüber hinaus sind die privaten und geschäftlichen Umsätze in der App voneinander getrennt, was der Buchhaltung zugutekommen soll. Aber: Kunden können gegenwärtig nur eines der drei Konten bei N26 besitzen: Black, Standard oder Business.

Investments mit vaamo

Wer bequem via App Investments tätigen will, kann das ab sofort mit N26 und dem hauseigenen Service Invest tun. Kunden wählen zunächst zwischen einem manuell festgelegten oder einem monatlichen Investmentbetrag und wählen anschließend eines aus drei Portfolios, die wir gleich noch genauer beschreiben werden.

N26 ist hierbei der Mittler. In den AGB heißt es:

„N26 führt die Aufträge nicht selbst aus. N26 wird die Aufträge über eine Schnittstelle von vaamo an die depotführende Bank zur Ausführung auf die bzw. von den Anlegerdepots weiterleiten."

Der Service wird demnach in Kooperation mit dem FinTech vaamo angeboten. Die nötige Infrastruktur für die Investments liefert die FIL Fondsbank. Dabei werden zahlreiche Daten des Kunden an die beiden Unternehmen weitergeleitet.

Die Mindestgebühr beträgt 1,90 € pro Monat und pro Portfolio. Für Investments ab 2.300 € belaufen sich die Service-Gebühren auf unter 1 % im Jahr. Transaktions-, Performance- oder Rücknahmegebühren fallen hingegen nicht an. N26 bietet drei Basisprofile an:

  • Zurückhaltend
  • Ausgewogen
  • Mutig

Die Profile unterscheiden sich in Hinblick auf die Gewichtung von Anleihen und Aktien:

  • Zurückhaltend: 60 % Anleihen, 40 % Aktien
  • Ausgewogen: 40 % Anleihen, 60 % Aktien
  • Mutig: 20 % Anleihen, 80 % Aktien

Einmal jährlich erfolgt ein sogenanntes Rebalancing: Dabei werden Anlageklassen so ver- und gekauft, dass die ursprüngliche Mixtur erhalten bleibt.

PULSE26

Neben den neuen Kontomodellen bietet N26 seinen Kunden einen interaktiven Kommunikationskanal namens PULSE26. Ähnlich einem Feed erhalten Kunden auf diese Weise personalisierte Tipps zur optimalen Kontonutzung und Informationen zu den eigenen Finanzen.

Der Clou dabei: Ähnlich wie bei sozialen Netzwerken können User die "Impulse" liken, löschen oder Details erfahren. So entsteht eine spezielle Form der Interaktion.

Wie sicher ist N26?

Grundsätzlich verlässt das System sich auf einen hohen Sicherheitsstandard, nämlich den von Mastercard. Über jeden Umsatz, der online verbucht wird, wird der Nutzer unverzüglich benachrichtigt. Darüber hinaus muss der Kunde einen Code eingeben, damit die Transaktion tatsächlich erfolgt.

Allerdings gab es Ende Dezember massive Sicherheitslücken, die der Experte Vincent Haupert laut Heise bei N26 aufgedeckt hat. Damals waren die Apps für Android und iOS anfällig für sogenannte „Man in the Middle“-Attacken – Angriffe, die auf Schwachstellen im Backend von N26 abzielten. Auf diese Weise gelang es Haupert und seinem Team, ca. 33.000 Kunden zu identifizieren. Inzwischen sei diese Sicherheitslücke behoben.

Der Nutzer kann darüber hinaus selbst entscheiden, ob seine Mastercard für das Ausland und/oder Geldautomaten eingesetzt werden kann. Bei Diebstahl oder Verlust kann die Karte via App unverzüglich gesperrt werden. Wird die Karte wiedergefunden, kann sie auf demselben Wege unkompliziert entsperrt werden. Das Geld des Kunden ist durch die deutsche Einlagensicherung geschützt.

Wohin geht die Reise?

Dass N26 noch lange nicht am Ende seines Potenzials angelangt ist, zeigen die neuesten Entwicklungen in Hinblick auf Kredite.

Im Grunde bietet N26 bald all das, was klassische Banken ebenfalls in petto haben. Und dürfte damit zu einem stärkeren Konkurrenten werden. Doch müssen die Berliner Unternehmer vorsichtig sein – nicht alle Änderungen werden von der Online-Community positiv aufgenommen:

Auch in Hinblick auf den Invest-Bereich regte sich Kritik:

Eine Erweiterung der Leistung ist daher auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Bereits im vergangenen Sommer musste N26 sich massiver Kritik stellen, nachdem hunderte Konten gekündigt wurden.

Fazit

N26 möchte sich breit aufstellen und den großen Spielern das Wasser abgraben. Entwicklungen in diese Richtung bergen zeitgleich die Gefahr, Alleinstellungsmerkmale aus den Augen zu verlieren. Auch dürften Schlagzeilen über Sicherheitslücken im System und Kontokündigungen weitere Herausforderungen mit sich bringen. Wir sind gespannt wie es weitergeht.

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