"Nur Bares ist Wahres" - warum die Deutschen Bargeld lieben

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Bargeld ist unhygienisch, sperrig und de facto wertlos. Dennoch wollen die Deutsche nicht auf Münzen und Scheine im Portemonnaie verzichten. Mehr als 80 % aller Transaktionen werden in der Bundesrepublik bar getätigt. Aber ist das vernünftig?

Der Ruf des Geldes Nachteile von Bargeld Vorteile von Bargeld Fazit

Der Ruf des Geldes

Der gute Ruf von Bargeld ist in Zeiten ökonomischer Unsicherheiten und der Übersättigung an digitalen Angeboten wenig verwunderlich. „Bares ist Wahres“ lautet für die meisten Deutschen das Credo. Und spätestens seit der Finanzkrise 2007 wissen wir: Das Finanzsystem ist ein höchst instabiles Konstrukt. Wir haben damals den Schwarzen Freitag am eigenen Leib zu spüren bekommen.

Die Menschen haben das Vertrauen in das Bankensystem verloren – sie glauben nicht mehr an Zahlen auf einem Bildschirm, an Aktienkurse oder Technologien aus dem Bankensektor. Der Vertrauensverlust durch die Zockerei an der Börse hat sich also auf das Banking im Gesamten übertragen.

Nachteile von Bargeld

So sehr die Deutschen ihr Bargeld lieben, der Handel mit Scheinen und Münzen birgt auch Nachteile. Doch nicht alle Vorurteile stimmen.

  • Kriminalität

So mancher Politiker predigt, dass mit der Abschaffung von Bargeld die Kriminalität zurückgehe. Wenn es kein Bargeld gibt, so der Tonus, haben verdunkelte Wirtschaftszweige keine Existenzgrundlage mehr: Schwarzarbeiter könnten nicht mehr unter der Hand bezahlt werden und auch Terroristen und Menschenhändler könnten ihre Geschäfte nicht mehr im Verborgenen abwickeln. Auch die Kreditkarten-Industrie stimmt dem zu: Laut einer Studie von VISA könne eine Zunahme von 15 % bei elektronischen Zahlungen die Schattenwirtschaft um sechs bis neun Prozent reduzieren.

Was auf den ersten Blick logisch klingt, ist in Wahrheit Unsinn. Entsprechende Organisationen und auch Einzelpersonen können andere Wege des geheimen Geldtransfers nutzen. Ein Beispiel auf Online-Ebene ist das Darknet, in dem sich Drogengeschäfte, Waffenkäufe, etc. mit Bitcoins abwickeln lassen. Zwar ist das Darknet den Strafverfolgungsbehörden nicht unbekannt, doch die schiere Masse an Transaktionen und Usern erzeugt nahezu Unsichtbarkeit – und gerade die ist für Kriminelle besonders wichtig.

  • Hygiene

Tagtäglich wandert Bargeld durch zahllose Hände – und längst nicht alle davon sind frisch gewaschen. Entwarnung gibt der Mikrobiologe Dr. Frank Mosel. Die Apotheken Umschau verrät er:

„Trotz der Keime geht von Geld für gewöhnlich keine Gefahr für den gesunden Menschen aus."

Also alles in Ordnung? Mitnichten. Zwar brauchen sich Menschen mit einem funktionierenden Immunsystem keine Gedanken zu machen, so lange sie das Geld nicht gerade ablecken. Dennoch wurden in Untersuchungen 3.000 Keime an des deutschen liebsten Zahlungsmittels gefunden, darunter auch Erreger von Lungenentzündungen, Magen-Darm-Erkrankungen und Magengeschwüren. Doch damit nicht genug: Im Zuge der Untersuchung wurden auch Gene gefunden, die Resistenzen gegenüber Antibiotika entwickelt haben. Geld ist ein wahres Keimparadies, oder wie Philippe Etienne, der Geschäftsführer eines Papierdruck-Unternehmens für Banknoten beschreibt:

„Eine Brieftasche, die Körpertemperatur hat, fungiert als Petrischale.“

Wenn man darüber hinaus bedenkt, dass Dollar- und Euroscheine auch international herumwandern, dann entsteht eine ungefähre Vorstellung darüber, wie viele verschiedene Viren- und Bakterienstämme sich auf dem Bargeld tummeln.

  • Kosten für Bargeld

Die Herstellung von Scheinen und Münzen ist aufwändig, teuer und ressourcenreich. Ständig müssen die Druckerpressen angeworfen werden. Doch damit nicht genug: Bargeld muss auch vorgehalten werden, in Form von Wechselgeld und in Bankautomaten. Allein dafür fahren die Bargeldtransporter der Deutschen Bundesbank 1,3 Millionen Kilometer im Jahr ab. Den Spritverbrauch kann sich jeder selbst ausrechnen. Geld im digitalen Kosmos hingegen reist in Bruchteilen von Sekunden von einem Ort zum anderen.

  • Falschgeld

Eine der größten Gefahren beim Umgang mit Bargeld ist die Gefahr, Falschgeld angedreht zu bekommen. Zwar existieren zahlreiche Wasserzeichen und Sicherheitssymbole in den Scheinen, doch wer kennt die schon alle? Und selbst wenn – halten Sie jeden Ihrer Geldscheine gegen das Licht, um ihn auf Echtheit zu prüfen? Auch werden die Fälscher immer gewiefter, sodass sich Kopien von Originalscheinen für den Laien so gut wie gar nicht unterscheiden lassen.

  • Diebstahl

Wer mit einer gut gefüllten Brieftasche unterwegs ist, den schmerzt ein Überfall umso mehr. Bargeld genießt, von der eigenen Wachsamkeit einmal abgesehen, keinen besonderen Schutz. Dabei muss es sich nicht einmal um einen Raub o.Ä. handeln. Für einen schmerzlichen finanziellen Verlust genügt es schon, die Brieftasche irgendwo zu verlieren.

  • Verfall von Wert

Wenn Bargeld zu Hause rumliegt, dann verliert es durch die Inflation an Wert. Es ist aus dem Wirtschaftskreislauf herausgenommen und nützt dem Besitzer wenig. Viel besser wäre das Geld auf einem Tagesgeldkonto aufgehoben, bei dem es immerhin ein paar Zinsen bekommt (meistens jedenfalls).  

Abschaffung von Bargeld?

Vom hygienischen und auch ökonomischen Aspekt her wäre die Abschaffung von Bargeld durchaus sinnvoll. Allerdings brauchen auch andere Finanzlösungen Infrastrukturen und Sicherheitssysteme, die kostspielig sind. Dennoch dürften die Kosten hierfür bei weitem unter den jährlich entstehenden Aufwendungen für die Herstellung und Verteilung von Bargeld liegen.

Vorteile von Bargeld

Dass die Deutschen das Bargeld trotzdem schätzen, hat gleich mehrere Gründe, die nicht von der Hand zu weisen sind.

  • Datenschutz

Insbesondere im Zuge der PRISM-Affäre legen die Bürger großen Wert auf die Wahrung ihrer Privatsphäre. Bargeld garantiert, anders als elektronische Zahlungen, absolute Anonymität. Abgesehen von Fingerabdrücken und DNA-Spuren ist nach einer kurzen Zeit für niemand mehr nachvollziehbar, wer den Schein zuvor besessen hat.

Elektronische Zahlungen hinterlassen Spuren, die sowohl Dienstleister und Unternehmen, als auch Geheimdienste mitverfolgen können. Auch wenn sich die Befürworter von Mobile Payment und ähnlichen Technologien die größte Mühe geben, dem Verbraucher den Sicherheitsstandard schmackhaft zu machen, fällt die Akzeptanz selbiger gering aus.

  • Vermeidung von Schulden

Wer mit Bargeld bezahlt, der kann nur das kaufen, was er an Wert tatsächlich im Portemonnaie mit sich trägt. Damit verringert sich die Gefahr, in einen Schulden-Strudel zu geraten. Anders verhält es sich bei bargeldlosen Bezahlungen – schnell rutscht der Kunde hier in den Dispo, ohne es zu merken.

  • Haptik

Wir Menschen brauchen greifbare Dinge, um uns in der Welt zurechtzufinden. Der Wert des Geldes bemisst sich nicht nur an Zahlen auf dem Bildschirm, sondern auch in Form von Gewicht. Eine Handvoll Münzen fühlt sich eben doch wertig an, auch wenn dieses Gefühl nicht den realen Bedingungen entsprechen muss.

  • Unkomplizierte Bezahlung

Transaktionen mit Bargeld laufen schnell, unkompliziert und reibungslos ab. Das Geld wechselt den Besitzer und das Geschäft ist damit zinsfrei vollzogen. Anders verhält es sich bei vielen Online-Plattformen, die zwar das schnelle Senden von Geld anbieten, hierfür jedoch Gebühren kassieren.

Fazit

Bargeld ist des Deutschen liebstes Zahlungsmittel und wird es wohl auf absehbare Zeit auch bleiben. Zwar birgt der Besitz von Scheinen und Münzen gesundheitliche, ökonomische und Sicherheits-Risiken, allerdings gewährleistet es auch reibungslose, zinsfreie Zahlungsvorgänge und Anonymität. Lesen Sie gern auch unseren Beitrag zum Thema Bargeld abheben im Ausland.

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