Warum es immer weniger Geldautomaten gibt

Stand: 04.07.2023

Bargeld ist immer noch das beliebteste Zahlungsmittel der Deutschen. Doch die Bargeldversorgung könnte sich in nächster Zeit ändern bzw. einschränken – denn die Anzahl an Geldautomaten in Deutschland nimmt seit ein paar Jahren stetig ab. Was genau sind die Gründe dafür und welche Folgen entstehen für die Kunden der Banken und Sparkassen?

Entwicklung Gründe Folgen für Kunden Fazit

Entwicklung der Geldautomatenanzahl

Schauen wir uns einmal an, wie sich die Automatenanzahl bei den vier größten deutschen Bankenverbünden in den letzten Jahren verändert hat.

Geldautomatennetz 2019 aktuell
Sparkassennetz
alle Sparkassen, 1822direkt, BW-Bank
ca. 23.000 ca. 21.500 -1.500
BankCard ServiceNetz
u.a. 99 % aller VR-Banken, Sparda-Banken, PSD-Banken, BBBank
ca. 17.700 ca. 15.500 -2.200
Cash Group
Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank, HypoVereinsbank
ca. 9.000 ca. 6.000 -3.000
CashPool
u.a. Sparda-Banken, Santander Bank, Targobank, BBBank
ca. 3.200 ca. 2.800 -400

Die Gesamtanzahl an Geldautomaten in Deutschland liegt mittlerweile je nach Quelle bei ca. 50.000 bis 55.000. Noch vor ein paar Jahren waren es über 58.000 Automaten.

Hinweis

Die meisten Zahlen in diesem Artikel stammen aus dem Deutsche Bundesbank Monatsbericht vom Januar 2023 mit dem Titel „Zugang zu Bargeld in Deutschland“. Diesen können Sie hier als PDF einsehen.

Doch warum genau nimmt die Anzahl der Geldautomaten in Deutschland überhaupt ab?

Gründe für immer weniger Geldautomaten

Dies sind die 5 Hauptgründe:

1. zunehmende Digitalisierung

Immer mehr Menschen nutzen das Online-Banking sowie Mobile-Banking und gehen nicht mehr vor Ort ihre Bankgeschäfte erledigen. Das führt dazu, dass die Banken und Sparkassen mehr und mehr Filialen und Selbstbedienungsstandorte schließen.

2007 gab es in Deutschland 42.000 Bankfilialen. 2021 waren es nur noch ca. 23.000. Weniger Filialen bedeuten dann automatisch auch weniger Geldautomaten.

2. Geldautomatensprengungen

Geldautomatensprengungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen und verursachen Schäden in Millionenhöhe. Allein in 2022 gab es 500 Sprengungen. Ein Anstieg von über 100 zum Vorjahr.

Banken und Sparkassen prüfen daher jeden Standort und bestimmen das jeweilige Risiko für eine Sprengung. Anschließend wird entschieden, ob der Automat abgebaut wird oder weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, wie z.B. kein Zugang zum Geldautomaten in der Nacht, der Einsatz von Klebstoff oder der Bau von Stahlpavillons.

3. Bargeld an der Kasse

Seit einigen Jahren können Sie bei vielen Girokonten mit Ihrer Kontokarte direkt an den Kassen von tausenden Supermärkten und Drogerien Bargeld abheben. Diese Alternative zum klassischen Geldabheben am Automaten gewinnt an Bedeutung:

Bargeldquelle 2017 2021
Geldautomat 84 % 81 % -3 %
Bankschalter 14 % 11 % -3 %
Ladenkasse 2 % 8 % +6 %
Quelle: Zahlungsverhaltensstudie 2021 (Deutsche Bundesbank)

Wie Sie in der Tabelle sehen, nimmt die Zahl der Bargeldabhebungen am Automaten und Schalter leicht ab und dafür die Auszahlung an Kassen zu. Diese Entwicklung dürfte sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Es liegt ja auch nahe, da wir sowieso einkaufen müssen und dann auch gleich Bargeld mitnehmen können.

Statistik

Laut Bundesbank haben 96 % der deutschen Bevölkerung eine Filiale oder einen Geldautomaten in der Gemeinde, die im Schnitt 1,7 km entfernt sind. 92 % können innerhalb der Gemeinde an einer Ladenkasse Geld abheben. Hierbei beträgt die durchschnittliche Entfernung 2,9 km.

Die Bundesbank sieht das Bargeldabheben an Kassen eher als Ergänzung als Ersatz für Automatenabhebungen. Sie weißt zudem im Bezug auf den Bargeldkreislauf darauf hin, dass bei Barauszahlungen an Kassen nicht die Qualität des Geldes geprüft wird, so dass nicht mehr umlauffähige Banknoten länger zirkulieren.

4. Kostensenkung

Ein Geldautomat bedeutet für die Kreditinstitute zusätzliche Kosten und einen erhöhten Aufwand.

  • Der Geldautomat selbst kostet Geld.
  • Das Betreiben und Warten eines Geldautomaten verursacht regelmäßige Kosten.
  • Er muss regelmäßig mit Bargeld befüllt werden, inklusive Geldtransport und Sicherheitsvorkehrungen.

So rechnet sich der Automat für die Bank bzw. den Betreiber nur, wenn er auch tausende Male im Monat genutzt wird. Deshalb ist der Standort so wichtig und darum sind Automatensprengungen so schädlich für die Banken.

Da es wie gesagt mittlerweile die Möglichkeit gibt, Bargeld direkt an der Kasse zu bekommen, ist der Automatenabbau für die Banken auch ein Weg, die laufenden Kosten weiter zu reduzieren.

5. geringere Bargeldnutzung

Die Tendenz geht weiter zum bargeldlosen Zahlungsverkehr. Immer mehr Menschen bezahlen direkt mit Karte und brauchen nicht mehr viel Bargeld. Dementsprechend werden dann die Automaten weniger genutzt, weshalb die Banken die Kosten nicht mehr decken und die jeweiligen Automaten abbauen.

Folgen für Kunden

Wenn die Geldautomaten immer weniger werden, hat dies natürlich Auswirkungen auf die Bankkunden.

Weitere Wege

Noch schätzt die Mehrheit der Deutschen den Aufwand für den Gang zum Geldabheben als gering ein. Durchschnittlich beträgt der Zeitaufwand je Abhebung ca. 9 Minuten. Wenn weiterhin aber mehr und mehr Geldautomaten wegfallen, dann wird unausweislich für einen Teil der Bevölkerung der Weg zum nächsten Geldautomaten immer weiter. Dies ist besonders für ältere Menschen, die nicht sehr mobil sind, ärgerlich.

Grundsätzlich kann es dann zu einer Abwärtsspirale kommen. Denn wenn der Weg zum Geldautomaten immer weiter wird, werden immer weniger Menschen Geld abheben, was dann wiederum dazu führt, dass mehr Geldautomaten abgebaut werden.

Höhere Gebühren

Wie oben in der Tabelle zu sehen, nehmen die großen Geldautomatennetze der deutschen Filialbanken weiter ab. Gleichzeitig haben unabhängige Geldautomatenbetreiber wie Euronet und Cardpoint (Cardtronics) in den letzten Jahren ihr Engagement in Deutschland erweitert und teilweise auch die Automaten der Bankenverbünde übernommen.

Diese ausländischen Anbieter betreiben selbst die Geldautomaten an meist öffentlichen, gut besuchten Standorten, wie z.B. Innenstädte, Tankstellen und Bahnhöfe. Das Problem ist: Für Barabhebungen außerhalb Ihres Bankenverbundes bezahlen Sie hohe Gebühren von 5,00 € oder mehr je Abhebung.

Konto wechseln

Wenn Sie weiterhin auf Bargeld angewiesen sind und Ihre Hausbank keine Automaten mehr in der Nähe hat, kann ein Kontowechsel Sinn machen. Es gibt einige attraktive und (unter Bedingungen) kostenlose Girokonten, die eine Kontokarte enthalten, mit der Sie die meisten Geldautomaten in Deutschland gebührenfrei nutzen können. Sie sind dann nicht mehr an ein bestimmtes Geldautomatennetz gebunden.

Hier sind zwei Girokonten, die deutschlandweit das kostenfreie Geldabheben an 50.000 Automaten und zudem Barauszahlungen in vielen Geschäften ermöglichen.

Fazit

Die Mehrheit der Deutschen liebt nachwievor das Bargeld. Es ist ein wichtiges Wertaufbewahrungsmittel und wäre auch in eventuellen Not- und Krisenfällen kurzfristig als Zahlungsmittel verfügbar. Deshalb setzt sich die Bundesbank dafür ein, dass auch in Zukunft Banknoten und Münzen jederzeit und an möglichst vielen Standorten verfügbar sind.

Auf der anderen Seite sorgten die fortschreitende Digitalisierung, die alternative Auszahlung in Geschäften und die zunehmende Gefahr von Automatensprengungen dafür, dass die Anzahl an Geldautomaten in den letzten Jahren abgenommen hat.

Die Zukunft wird zeigen, ob die Geldautomatenanzahl immer weniger wird oder stabil bleibt. So oder so ist es wichtig, dass Sie ein Girokonto haben, dass zu Ihren Bedürfnissen passt und mit dem Sie möglichst gebührenfrei die Geldautomaten in Ihrer Nähe nutzen können. Der Kontofinder auf der Startseite und unser Girokonto-Vergleich helfen Ihnen dabei.


Ihre Kommentare zu diesem Beitrag