Kostenfallen beim Girokonto

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Girokonto

Aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank schrumpft die Gewinnspanne der deutschen Banken. Deshalb erhöhen die Kreditinstitute nach und nach, meist unauffälig, die Gebühren, sei es für die Kontoführung, die Nutzung des Dispokredits, beim Geldabheben oder bei der Ausführung von Überweisungen. In der Folge zahlen Sie unnötig viel Geld. Schon ein kurzer Blick in die Entgeltinformationen Ihres Kontos oder ein Nachfragen bei Ihrer Bank hilft, in Zukunft solche Kostenfallen zu vermeiden und Geld zu sparen.

Warum höhere Gebühren? Die unauffällige Erhöhung Die größten Kostenfallen Erlaubte und verbotene Gebühren Tipps zur Vermeidung unnötiger Kosten Attraktive Girokonten Fazit

Nützliche Girokonto-Leistungen

Warum erhöhen Banken die Gebühren?

Die Zinsen sind auf einem historisch niedrigen Niveau. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt seit 10.03.2016 bei 0,00 %. Dies hat unter anderem folgende Auswirkungen:

  • Schrumpfende Gewinnspanne: Vor allem deutsche Banken sind sehr vom Zinsgeschäft anhängig. Durch die niedrigen Zinsen schrumpft die Gewinnspanne zwischen den Zinseinnahmen durch vergebene Kredite und den Zinsausgaben durch Sparprodukte. Dies wird in den nächsten Jahren zu einem immer größeren Problem, da die früheren hochverzinsten Kredite auslaufen und jetzt Kredite zu deutlich günstigeren Konditionen vergeben werden.

  • Weniger Zinseinnahmen: Banken legen einen Teil der Einlagen selbst an, zum Beispiel in zehnjährige Bundesanleihen. Da diese aber auch niedriger verzinst werden, sinken die Einnahmen weiter.

  • Strafzinsen der EZB: Deutsche Banken parken überschüssiges Geld bei der EZB. Diese verlangt aber seit 2014 einen Strafzins von 0,4 %, was für das Jahr 2017 Strafzinsen von über 2 Milliarden Euro ergibt.

Da mit zeitnahen Zinserhöhungen seitens der EZB nicht zu rechnen ist, müssen deutsche Banken sowohl Kosten einsparen als auch Gewinne maximieren. Dazu werden Filialen geschlossen und der Fokus auf Online-Banking und Mobile-Banking erhöht. Zusätzlich werden aber auch die Gebühren und Kosten erhöht, um weniger abhängig vom Zinsgeschäft zu sein. So haben sich die meisten Banken vom kostenlosen Girokonto verabschiedet.

Durch die historisch niedrigen Zinsen müssen sich deutsche Kreditinstitute immer neue Wege überlegen, wie sie mehr Geld einnehmen können. Um die Kunden nicht zu vergraulen, werden die Gebühren meist nach einem bestimmten Schema erhöht.

Wie erhöhen Banken die Gebühren?

Das Hauptziel der meisten Banken ist es, die Gebühren so gering zu halten, dass die Kunden nicht reagieren und das Konto wechseln. Dies erreichen sie meist auf einem der folgenden 4 Wege:

  1. Anfangs werden nur Gebühren für Zusatzleistungen, wie z.B. Zusatzkarten erhöht.
  2. Preise werden in kleinen Schritten, in der Regel alle paar Monate, angehoben.
  3. Es werden meist nie mehrere Gebühren auf einmal verändert.
  4. Neue Kontomodelle für ganz bestimmte Zielgruppen mit höheren Gebühren für Sonderleistungen werden angeboten.

Aktuell kann man beobachten, dass viele Kreditinstitute alle paar Monate Veränderungen an Ihrer Preis- und Angebotsstruktur vornehmen.

Eine Ausnahme bilden hier die Öko- und Umweltbanken mit nachhaltigen Girokonten. So hat zum Beispiel die GLS Bank Anfang 2017 den GLS Beitrag eingeführt. Geringverdiener und Kunden bis 28 Jahre zahlen 12 Euro, alle anderen 60 € zusätzlich im Jahr. Hinzu kommen die Kontoführungsgebühren, die beim GLS Bank Girokonto am 1. November 2016 von 2,00 auf 3,80 € gestiegen sind. Die meisten GLS-Kunden zahlen demnach pro Jahr 81,60 € mehr als zuvor.

Interessant ist, dass trotz dieser deutlichen Preiserhöhung nur wenige Kunden die GLS Bank verlassen haben. So berichtet der Vorstandsvorsitzende der GLS Bank, Thomas Jorberg:

„Durch den GLS-Beitrag ist die Zahl der Kündigungen nicht bemerkenswert gestiegen. Die Neukundengewinnung leidet bislang gar nicht.“

Am Beispiel der GLS Bank werden 2 Punkte deutlich:

  1. Die meisten Deutschen halten ihrem Girokonto, komme was wolle, die Treue, auch wenn die Preise steigen oder sie unzufrieden sind.
  2. Für die Kunden geht es nicht nur um die Kosten, sondern auch darum, welche Prinzipien die Bank vertritt, wie gut der Service ist und ob die Bank Leistungen bietet, die den jeweiligen Kunden ansprechen.

Das sind wichtige Punkte. Wenn Sie mit Ihrer Bank zufrieden sind und sich nicht an den Zusatzkosten stören, dann behalten Sie Ihr jetziges Girokonto. Sollten Sie allerdings schon länger nicht mehr ganz zufrieden sein oder sich an den immer neuen und höheren Gebühren stören, dann erwägen Sie einen Kontowechsel.

Die größten Kostenfallen in der Übersicht

Beim Girokonto gibt es keine großen, einmalig anfallenden Kosten, die sofort auffallen würden. Das Problem sind die kleineren, immer wieder anfallenden Gebühren, die sich über die Zeit aufrechnen und dadurch häufig unbemerkt hohe Kosten verursachen. Hier 2 Euro mehr für die monatliche Kontoführung und da 1 Euro mehr für das allwöchentliche Geld abheben. Einzeln betrachtet sind es meist niedrige Beträge unter 5 Euro. Zusammenaddiert zahlen Sie dadurch über die Jahre hunderte oder tausende Euro extra, ohne dafür einen besseren Service zu bekommen.

Die folgenden Informationen sollen Ihnen zum einen helfen, Kostenfallen bei Ihrem bestehenden Kontos aufzudecken, und Sie zum anderen davor bewahren, das falsche Girokonto auszuwählen.

Kontoführungsgebühren

Die monatlichen Kontoführungsgebühren verursacht bei vielen Kontomodellen die höchsten Kosten. 4 Euro Preisunterschied hören sich erstmal nicht viel an. Sie summieren sich aber nach 4 Jahren auf 200 Euro. Wie oben schon beschrieben, werden bis auf wenige Ausnahmen nahezu alle kostenlosen Girokonten aussterben oder an immer strengere Bedingugnen geknüpft. Ihr Konto wird sehr wahrscheinlich teurer, unabhängig davon, ob es aktuell gratis ist oder nicht.

Teilweise wird groß auf der Internetseite damit geworben, dass das Konto kostenlos ist und im Kleingedruckten steht dann, dass ein Mindestgeld- oder -gehaltseingang gefordert wird. Statt 0,00 € kostet das Konto dann 5,00 €. Das ist besonders tückisch, wenn sich Ihre finanzielle Situation ändern sollte, z.B. weil Sie arbeitslos werden. Plötzlich würden Sie mehr zahlen während Sie weniger Geld zur Verfügung hätten.

Einen anderen Weg geht zum Beispiel die DKB Bank. Sie unterscheidet seit 01.12.2017 zwischen Leistungen für Aktivkunden und Standardleistungen. Das DKB Girokonto ist zwar immer noch kostenlos, dafür haben aber nur Aktivkunden mit einem Mindestgeldeingang von 700 € Vorteile wie niedrigere Dispozinsen, eine höhere Guthabenverzinsung und ein gebührenfreies Bargeldabheben auch außerhalb der Euro-Zone.

Dispo- und Überziehungszinsen

Die Dispozinsen liegen bei viele Banken immer noch im Bereich von 10 %. Bei Kreditkarten mit Kreditrahmen liegen die anfallenden Zinsen teilweise sogar bei über 15 %.

Es geht schnell, dass irgendetwas Unerwartetes passiert und man plötzlich Geld braucht, sei es, weil die Waschmaschine kaputt ist, das Auto einen Schaden hat oder eine unerwartete Rechnung ins Haus geflogen kommt.

Wenn Sie einen Dispokredit nur für kurze Zeit nutzen und Ihr Girokonto zeitnah wieder ausgleichen, halten sich die Gebühren in Grenzen. Sollten Sie allerdings Ihr Konto für mehrere Monate deutlich überziehen, kann der Dispokredit zur echten Kostenfalle werden, wie das Beispiel zeigt:

Seien Sie sich bewusst, dass man sehr schnell in die Schuldenfalle tappen kann und nur sehr langsam und mühsam wieder herauskommt.

Geldabheben am Automaten

Geldabheben wird immer teurer. Vor allem, wenn Sie viel verreisen und fremde Geldautomaten nutzen müssen, liegen die Gebühren in Deutschland zwischen 3 und 6 Euro und im Ausland teilweise noch höher. Einige Volksbanken und Sparkassen verlangen mittlerweile sogar bei bestimmten Kontomodellen eine kleine Gebühr, wenn man die eigenen Geldautomaten benutzt.

Andere Banken limitieren die Anzahl der kostenlosen Abhebungen. So dürfen Sie beim Netbank Girokonto 1x im Monat und beim Wüstenrot Girokonto 24x im Jahr gebührenfrei Geld abheben. Danach werden jeweils 3,00 € bzw. 1,99 € fällig.

Um nicht unnötig viel Geld zu bezahlen, achten Sie bei der Benutzung von fremden Automaten darauf, ob während des Abhebevorgangs eine Gebühr angezeigt wird. Nutzen Sie zudem, wenn möglich, Geldautomaten von Banken, die dem gleichem Bankenverbund wie Ihre Hausbank angehören. Wenn Sie viel ins Auisland verreisen, wechsln Sie zu einem Girokonto, welches eine Kreditkarte beinhaltet, mit der Sie weltweit kostenfrei Geld abheben können. 

Weitere Kostenfallen

Die größten Kosten entstehen durch die Kontoführungsgebühren, die Kontoüberziehung und das Geldabheben. Daneben gibt es aber auch kleinere Gebühren, die sich mit der Zeit aufrechnen können:

  • Bareinzahlungen: Sollten Sie Ihr Konto bei einer Direktbank haben, wo selbst keine Einzahlungen möglich sind, müssen Sie fremde Banken nutzen und zahlen hierbei Gebühren im Bereich von 6 bis 15 €, je nachdem wie viel Geld Sie einzahlen möchten.

  • Kontokarten: Immer häufiger kosten nicht nur die Kreditkarten (meist 20 bis 30 € pro Jahr), sondern auch die Girocards (5 bis 10 € pro Jahr) extra. Wenn Sie ein bestimmtes Kartenmotiv möchten oder eine Zusatzkarte benötigen, kommen weitere Gebühren hinzu.

  • Überweisungen per Beleg oder Telefon: In den meisten Kontomodellen kostet dies mittlerweile meist über 1 Euro je Buchung. Dies ist besonders für altere Menschen ärgerlich, die nicht mehr auf zum Beispiel Online-Banking umsteigen möchten.

  • TAN-Gebühren: Bei Nutzung bestimmter TAN-Verfahren werden z.B. 0,10 € je SMS oder 10 € für den TAN-Generator fällig.

Neben diesen Gebühren für Hauptleistungen gibt es auch Zusatzleistungen, die ebenfalls Kosten verursachen können.

Diese Gebühren sind erlaubt sondern verboten

In der folgenden Tabelle sehen Sie, für welche besonderen Leistungen Banken Gebühren verlangen dürfen und in welchen Fällen dies gesetzlich verboten ist.

 ERLAUBT  VERBOTEN
In diesen Fällen müssen Sie die Kosten selbst tragen: In diesen Fällen muss die Bank die Kosten tragen:
Ersatz der Girocard oder Kreditkarte
Sie sind selbst für die Beschädigung oder den Verlust verantwortlich. Die Karte wird z.B. durch einen schlecht gewarteten Geldautomaten oder Kontoauszugsdrucker beschädigt.
Verlust der PIN
Sie sind selbst für den Verlust verantwortlich. Der Brief mit der PIN geht auf dem Postweg verloren.
Nichtausführung von Überweisungen
Sie haben einen Fehler bei den Überweisungsdaten gemacht. Sie haben die Überweisung korrekt ausgefüllt.
Nichtausführung von Lastschriften
Bei einer berechtigten Ablehnung des Überweisungsauftrags. Bei einer unberechtigten Ablehnung trägt der Zahlungsempfänger die Kosten.

Solange Sie sich gewissenhaft verhalten, werden nur sehr selten Gebühren für Sonderleistungen anfallen.

Bei folgenden Sonderleistungen dürfen Banken überhaupt keine Gebühren verlangen:

  • Bearbeitung und Überwachung von Pfändungs- und Überweisungsbeschlüssen
  • Kontoauflösung inklusive Guthabenübertragung auf neues Konto
  • Verwaltung und Änderung von Freistellungsaufträgen
  • Nachlassbearbeitung im Todesfall

So vermeiden Sie unnötige Kosten

Hier sind 4 Tipps, wie Sie in Zukunft größere Kostenfallen und Gebühren vermeiden:

  1. Schmerzgrenze setzen: Fragen Sie sich genau, welche Leistungen Sie unbedingt benötigen und wie viel Geld Sie bereit sind, für Ihr Girokonto zu bezahlen. Wird dieser Betrag überschritten, wechseln Sie das Konto. Können Sie z.B. auf eine Beratung in der Filiale verzichten, dann eröffnen Sie ein kostenloses Online-Girokonto oder Mobile-Girokonto, wie z.B. das N26 Girokonto oder 1822MOBILE Girokonto.

  2. Preis- und Leistungsverzeichnis bzw. Entgeltinformationen überfliegen: Häufig stehen auf den Produktseiten der Banken nur die wichtigsten Leistungen mit den entsprechenden Preisen. Es lohnt sich daher, wenn Sie sich einmal 5 Minuten Zeit nehmen und einen Blick in das Preis- und Leistungsverzeichnis Ihrer Bank werfen. Sie finden es meist im Service-Bereich der Internetseite oder über die Google Suche. Auch wenn die meisten Preisverzeichnisse 10 bis 20 Seiten lang sind, so sind für Sie meist nur die Abschnitte "Preise für Dienstleistungen im standardisierten Geschäftsverkehr und Zahlungsverkehr für Privatkunden" relevant. Auf der ersten Seite steht, wann das Verzeichnis zuletzt aktualisiert wurde. Schauen Sie daher alle 3 bis 6 Monate kurz hinein, um nicht von Preisänderungen überrascht zu werden. Alternativ reicht auch ein Blick in die Entgeltinformationen Ihres Girokontos.

  3. Immer das Kleingedruckte lesen: Fast alle Banken arbeiten mit Sternchentexten oder Fußnoten. Gerade wenn Sie sich nach einem neuen Girokonto umschauen, seien Sie diszipliniert und lesen Sie sich alles aufmerksam durch. Eventuell fällt dann erst auf, dass Sie bestimmte Bedingungen für die kostenlose Kontoführung oder den Erhalt einer Prämie erfüllen müssen.

  4. Bei Fragen einfach fragen: Kontaktieren Sie Ihre Bank, wenn Sie Fragen haben. Fahren Sie zum Beispiel für ein paar Wochen ins Ausland und sind sich nicht sicher, welche Gebühren entstehen, dann schicken Sie einfach nochmal eine kurze E-Mail oder rufen Sie an. Dies gibt Ihnen Gewissheit.

Die Girokonten mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis

Da jede Bank Gebühren verlangt, ist letztlich die entscheidende Frage, welche Girokonten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis haben.

Informationen
Bewertung
Grundpreis 0,– €
Girocard 2x 0,– €
Kreditkarte 2x 0,– €

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Da jeder Bankkunde andere Vorstellungen und Ansprüche hat, haben wir für Sie auf unserer Tippseite Bestes Girokonto das jeweils beste Angebot für die verschiedensten Zielgruppen zusammengetragen.

Fazit

Bankgebühren können sich über die Zeit aufaddieren und zu echten Kostenfallen werden, so dass Sie über die Jahre meist unnötig hunderte Euro mehr zahlen. Neben den bereits präsentierten Girokonten finden Sie in unserem Girokonto-Vergleich das für Sie passende Girokonto.

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