Die (ungewisse) Zukunft der Girocard

Stand: 16.12.2022

11.000 Mal pro Minute wird die Girocard zum Bezahlen in Deutschland gezückt. Tendenz steigend. Trotzdem sind Kunden nach dem Maestro-Aus verunsichert. Erfahren Sie hier, wie es mit der Girocard weitergeht und wie die Funktionen im Vergleich zur Debitkarte und Kreditkarte abschneiden.

Alles Wichtige zur Zukunft der Girocard

  • Mastercard stellt sein Maestro-System ein, so dass Sie nur noch bis spätestens Ende 2027 eine Girocard mit Maestro-Logo im Ausland nutzen können. V-Pay von Visa bleibt bestehen.
  • Die Girocard (EC-Karte) wird nicht abgeschafft. Das Maestro-Aus beeinflusst nicht den Einsatz der Girocard in Deutschland. Sie können wie gewohnt Bezahlen und Geld abheben.
  • Der deutsche Bankenverband arbeitet bereits an neuen Funktionen, damit die Girocard auch im Internet, auf dem Smartphone und weiterhin im Ausland eingesetzt werden kann.
  • Viele Banken bieten mittlerweile neben der Girocard eine Debitkarte von Mastercard oder Visa an, die weltweit zum Bezahlen und Geldabheben genutzt werden kann und auch im Internet funktioniert.

Das Ende von Maestro Vergleich der Kontokarten Neue Funktionen der Girocard Fazit

Die Girocard (ehemals EC-Karte) ist das beliebteste bargeldlose Zahlungsmittel der Deutschen. Die mehr als 100 Millionen Girocards wurden 2021 über 5,9 Milliarden Mal benutzt. Und doch steht die Girokarte vor einer ungewissen Zukunft.

Das Ende von Maestro

Auslöser ist die Verkündung von Mastercard, dass sie Maestro nach 30 Jahren einstellen wollen. Über das Maestro-System können Sie mit der deutschen Girocard auch im Ausland bezahlen und Geld abheben.

Zum Verständnis

Die Girocard selbst nutzt das gleichnamige Zahlungssystem der Deutschen Kreditwirtschaft. Dieses System funktioniert nur in Deutschland und wird durch sogenannte Co-Brandings, wie z.B. Maestro von Mastercard oder V-Pay von Visa, erweitert, so dass die Girocard auch im Ausland genutzt werden kann.

Ab 01.07.2023 sollen von europäischen Banken keine Girocards mehr mit Maestro-Funktion herausgegeben werden. Bereits ausgegebene Karten behalten Ihre Gültigkeit. Ende 2027 wären dann die letzten Maestro-Girocards abgelaufen und Maestro damit endgültig Geschichte. Ob dieser Zeitplan einzuhalten ist, wird die Zukunft zeigen. Aktuellen Berichten zufolge werden einzelnen Banken längere Umstellungsfristen gewährt.

Hinweis

Der Wegfall von Maestro hat keinen Einfluss auf den Einsatz der Girocard in Deutschland. Hier bleibt alles beim Alten und Sie können diese Debitkarte wie gewohnt zum Bezahlen und Geld abheben nutzen.

Warum soll Maestro eingestellt werden?

Der Hauptgrund ist die neue Debitkarte von Mastercard, die dem amerikanischen Unternehmen höhere Gewinnchancen verspricht.

Zum einen kann der Kunde mit der Debitkarte auch online bezahlen. Das bedeutet, dass Mastercard am Online-Geschäft mitverdienen kann, was bisher mit Maestro nicht möglich war. Zum anderen bekommt Mastercard eine Gebühr von den Händlern, wenn die Debitkarte an Kassen zum Bezahlen eingesetzt wird und ist deshalb an einer möglichst hohen Verbreitung interessiert.

Ein weiterer Grund ist, dass es für die Debitkarte deutlich mehr weltweite Akzeptanzstellen gibt – 15 Mio. bei Maestro und 90 Mio. bei der Debit Mastercard.

Hinweis

Der größte Konkurrent Visa will sein eigenes V-Pay-System weiterlaufen lassen. Eine Girocard mit V-Pay-Logo kann damit in großen Teilen Europas (aber nicht weltweit wie Maestro) zum Bezahlen und Geldabheben eingesetzt werden.

Jede deutsche Bank bzw. Sparkasse, die bisher Maestro nutzt, muss sich nun entscheiden, welche der 3 Optionen sie ihren Kunden anbietet:

  1. Wechsel von Maestro zu V-Pay.
  2. Reine Girocard ohne Auslandsfunktion als Hauptkarte. Optional Zweitkarte für Ausland hinzubuchbar.
  3. Als Hauptkarte eine Debit- oder Kreditkarte für In- und Ausland. Girocard wird zur Zweitkarte.

Die meisten Sparkassen haben sich zum Beispiel für Option 3 entschieden und werden in den nächsten Monaten auf eine Mastercard bzw. Visa Debitkarte umstellen.

Vergleich der Kontokarten

Schauen wir uns einmal an, ob sich eine Girocard nach dem Wegfall von Maestro überhaupt noch lohnt und wie sie im Vergleich zu den Debit- und Kreditkarten von Mastercard und Visa abschneidet.

In der folgenden Tabelle sehen Sie, wofür Sie die verschiedenen Kontokarten einsetzen können.

Funktion Girocard Debitkarte Kreditkarte
Kartenart debit debit charge
Abbuchung sofort sofort monatlich
Kreditrahmen X X O
Bezahlen
in Geschäften
Inland
O O O
in Geschäften
kontaktlos
O O O
in Geschäften
Europa
O 1 O O
in Geschäften
Weltweit
X 2 O O
Online
Einkaufen
X 3 O O
Mobil
Smartphone
X 4 O O
Geld abheben
Automat
Inland
O O O
Supermarkt
Drogerie
O X 5 X 5
Automat
Europa
O 1 O O
Automat
Weltweit
X 2 O O
Sonstiges
Kontoaus-
zugsdrucker
O X X
Jahrespreis 0 – 15 € 0 € 0 – 30 €
1 nur mit Girocards mit V-Pay-Logo möglich
2 nach Maestro-Aus nicht mehr möglich
3 soll in Zukunft möglich sein
4 Ausnahmen: Apple Pay mit Sparkassen Card, teilweise digitale Girocard bei einigen Banken
5 Ausnahmen: Aldi Süd, Netto, dm

Bezahlen in Deutschland

Grundsätzlich können Sie im Inland mit allen drei Kontokarten kostenlos, und auf Wunsch auch kontaktlos, bezahlen. Debit- und Kreditkarten sind hierbei deutlich kompatibler mit Apple Pay und Google Pay.

Die Girocard hat deutschlandweit mit über 1 Million Akzeptanzstellen einen großen Vorteil. Da die Debit- und Kreditkarten nicht Teil des Girocard-Systems sind, gibt es über 200.000 weniger passende Zahlungsterminals. Bei vielen Behörden, Apotheken, Werkstätten und kleineren Läden können Sie deshalb nur mit der Girocard bezahlen. Mastercard und Visa funktionieren dort nicht.

Händler vs Debitkarte

Dass Kredit- und Debitkarten weniger akzeptiert werden, hat noch einen weiteren Grund: höhere Kosten für Händler.

Wenn Sie mit Visa oder Mastercard bezahlen, muss der Händler neben den normalen Transaktionsentgelten auch eine Systemgebühr entrichten, so dass die Kosten bis zu 4x so hoch ausfallen können wie bei einer Girocard-Zahlung. Vor allem kleinere Geschäfte können sich diese Kosten nicht leisten und verzichten deshalb auf Zahlungsterminals, die Mastercard und Visa unterstützen. Sollten die kleineren Händler aufrüsten, weil immer mehr Kunden die Zahlung per Debitkarte fordern, kann es gut sein, dass die höheren Händlerkosten an die Kunden in Form von höheren Produktpreisen weitergegeben werden.

Geld abheben in Deutschland

Viele Filialbanken haben sich zu Bankenverbünden zusammengeschlossen. Mit einer Girocard können Sie innerhalb dieser Verbünde unbegrenzt oft kostenlos Bargeld an den jeweiligen Automaten abheben.

Viele Direktbanken bieten schon längere Zeit meist kostenlose Kreditkarten und nun verstärkt Debitkarten an, mit denen Sie deutschlandweit alle Geldautomaten mit Visa- oder Mastercard-Zeichen gebührenfrei nutzen können. Häufig ist aber die Anzahl an Abhebungen im Monat begrenzt.

Eine Besonderheit ist das Geldabheben an der Supermarkt-Kasse: Hier ist die Akzeptanz der Girocard deutlich höher.

Hinweis

Bitte beachten Sie, dass bei der Girocard und Debitkarte das Geld direkt und sofort von Ihrem Girokonto abgebucht wird, während Sie bei einer Kreditkarte einen Kreditrahmen bekommen und das Geld nur einmal im Monat abgebucht wird.

Karteneinsatz im Ausland

Durch den Wegfall von Maestro bleibt nur noch das V-Pay-System von Visa, so dass ein Einsatz der Girocard zum Bezahlen und Abheben nur noch in vielen europäischen Ländern möglich ist.

Mit einer Debit- oder Kreditkarte von Visa bzw. Mastercard haben Sie große Vorteile, da Sie weltweit und nicht nur in Europa an deutlich mehr Akzeptanzstellen bezahlen und an Bargeld kommen können.

Tipp

In unserem Ratgeber Welche Kreditkarte passt zu mir? erfahren Sie alles Wichtige zu den verschiedenen Kreditkartentypen.

Karteneinsatz im Internet

Girocards sind bislang nicht für Online-Zahlungen geeignet. Dies soll sich in Zukunft ändern. Bis dahin haben Visa und Mastercard Karten aber einen klaren Vorteil, da diese für Einkäufe im Internet gut genutzt werden können.

Neue Funktionen der Girocard

Die Girocard wird auch nach dem Ende von Maestro nicht so schnell abgeschafft werden. Dafür gibt es einen triftigen Grund:

Ohne die deutsche Girocard wäre ein Großteil des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in den Händen von zwei amerikanischen Unternehmen: Mastercard und Visa. Deutschland will sich bestimmt nicht in so eine Abhängigkeit begeben.

Deshalb sind bereits neue Funktionen in Planung. Dann kann die Girocard auch genutzt werden für:

  • Einkäufe im Internet
  • Hinterlegung einer Kaution bei Hotel- oder Mietwagenbuchung
  • In-App-Zahlungen auf dem Smartphone

Wir wollen die Girocard mit neuen Funktionen im Online-Handel und in der digitalen Welt noch besser nutzbar machen.
Henriette Peucker (Stellvertreterin des Hauptgeschäftsführers des Bundesverbandes deutscher Banken)

Mit diesen Funktionen soll die Girokarte auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben. Wann genau diese neuen Features zur Verfügung stehen, ist noch unklar. Doch allzu lange darf man sich nicht Zeit lassen, weil in der Zwischenzeit immer mehr Banken und Sparkassen die Debitkarte zur Hauptkontokarte machen.

Hinweis

Die beiden größten deutschen Direktbanken, ING und DKB, haben die Girocard als Hauptkarte abgeschafft. Girocards können zwar immer noch bestellt und genutzt werden, kosten jetzt aber 0,99 € im Monat, während die Visa Debitkarte kostenlos ist.

Zudem gibt es die European Payments Initiative (EPI), ein Zusammenschluss von europäischen Banken, die aktuell daran arbeiten, eine gemeinsame Lösung für den europäischen Zahlungsverkehr zu entwickeln. Ob und bis wann mit Ergebnissen zu rechnen ist, ist ungewiss.

Fazit

Es gibt nicht mehr die eine Kontokarte, die perfekt für alles ist. Die Girocard ist ideal, wenn Sie in Deutschland bezahlen wollen und innerhalb eines Bankenverbundes damit gebührenfrei Geld abheben können. Eine Debitkarte oder Kreditkarte von Mastercard oder Visa ist empfehlenswert, wenn Sie weltweit verreisen und flexibel im Internet und via Smartphone zahlen wollen. Kundenfreundlich ist so ein Zwei-Karten-System jedoch nicht.

Das Maestro-Aus öffnet allerdings den Markt und bietet jetzt allen beteiligten Zahlungsdienstleistern die Chance, funktionale Zahlungsmittel auf den Markt zu bringen, von denen dann auch hoffentlich alle Kunden profitieren werden. Noch ist die Girocard das beliebteste Zahlungsmittel in Deutschland – doch der deutsche Bankenverband muss sich beeilen, damit dies auch so bleibt.

In unserem Girokonto Vergleich finden Sie übrigens alle wichtigen Details zu den Kontokarten von VISA und Mastercard und können Angebote mit und ohne Girocard herausfiltern.

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