Interview mit Dr. Guido Sandler (Bergfürst)

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Bei Bergfürst handelt es sich um eine Crowdinvesting-Plattform. Hier können sich Privatinvestoren mit einem Startkapital ab 10 € an jungen Wachstumsunternehmen, Startups und Immobilien beteiligen. Dr. Guido Sandler, Gründer und CEO von Bergfürst, stand uns Rede und Antwort zum Geschäftsmodell und dessen Risiken.

1. Was bedeutet Crowdinvesting und was ist das Besondere daran?

Beim Crowdinvesting finden sich viele Privatanleger zusammen („Crowd“), um gemeinsam in Immobilien oder Startups zu investieren. Das Ziel ist es, eine Rendite bzw. Gewinn zu realisieren. Einsteigen kann jeder bereits mit geringen Beträgen, bei uns z.B. ab 10 Euro, und das ganz ohne Anmeldungs- oder Nebenkosten. Der Investitionsprozess findet komplett online statt. Details gibt es unter de.bergfuerst.com

Das Besondere an dieser Investitionsmöglichkeit ist, dass Privatanleger selbstbestimmt und gut informiert in einzelne Assets investieren können. Bisher standen kleineren Privatanlegern hier nur Fonds mit einer Vielzahl von Unternehmen oder Objekten zur Verfügung. Crowdinvesting demokratisiert den Finanzierungsmarkt und eröffnet Kleinanlegern die Möglichkeit, von den gleichen Chancen wie sie große institutionelle Investoren für sich nutzen, profitieren zu können.

2. In einem Interview mit Deutsche-Startups.de sagten Sie, dass Crowdinvesting „von Investoren und Emittenten kausal missverständlich aufgefasst wird“. Wie ist das gemeint?

Gemeint ist damit, dass Finanzinvestoren und Managementteams grundsätzlich davon ausgehen, dass eine Crowdfanzierung die Anschlussfinanzierung für Unternehmen schwierig bis unmöglich macht. Das ist aber falsch. Bei BERGFÜRST wählen wir beim öffentlichen Angebot von Aktien aber auch bei partiarischen Nachrangdarlehen Strukturen, die voll kompatibel mit den Vorstellungen und Interessen von Finanzinvestoren sind. Bewiesen wurde dies in der jüngst erfolgreich abgeschlossenen Folgefinanzierung bei URBANARA über € 5 Mio.

3. Wer entscheidet, welche Unternehmen oder Objekte sich bei Bergfürst präsentieren dürfen?

Wir haben Kriterien festgelegt, die ein Emittent erfüllen muss. Unternehmen müssen den Proof of Principal erreicht haben. D.h. sie müssen erste Umsätze mit ihren Produkten/Dienstleistungen erwirtschaften und das Geld, welches über BERGFÜRST hereinkommt, soll im Wesentlichen in Markterschließung und Marktdurchdringung und nur zu einem ganz geringen Anteil in weitere Entwicklung investiert werden.

Bei Immobilien hängt ja sehr viel von der Expertise des Projektentwicklers bzw. Bestandshalters ab. Entsprechend muss dieser unseren Investoren nachweisen, dass er in seinem Geschäftsfeld schon über viele Jahre erfolgreich unterwegs ist.

Der weitere wesentliche Punkt ist, dass der Emittent plausibel darlegt, dass er Zinsen zahlen und das Darlehen am Ende der Laufzeit zurückzahlen kann. Darüber hinaus muss er transparent die mit dem Investment verbundenen Risiken beschreiben, sodass die Anleger auf eine vernünftige Entscheidungsgrundlage zurückgreifen können.

Emittenten, die diese Kriterien erfüllen, steht eine Platzierung auf BERGFÜRST offen.

4. Welche Anforderungen stellen Sie genau?

4.1 Unternehmen

Unternehmen müssen eine 3-Jahres-Planung veröffentlichen. Aus dieser Planung muss hervorgehen, wie das eingeworbene Kapital verwandt wird und welche Ziele erreicht werden sollen.

Mit dem Info-Memo bzw. dem Wertpapierprospekt werden alle Grundlagen der Unternehmen, wie z.B. wesentliche Verträge sowie historische Daten, wie z.B. die Jahresabschlüsse der vergangenen Jahre, bereit gestellt. Auch hier wird umfassend auf die Risiken der Anlage eingegangen.

In einem Imagevideo stellen sich die Emittenten und die Managementteams vor.

Im Web-Cast wird das Unternehmenskonzept und die Planung im Interview erläutert, sowie Fragen interessierter Privatanleger beantwortet.

Ferner müssen Unternehmen sich verpflichten, laufend Quartalsberichte und Jahresabschlüsse zu veröffentlichen. In der Investorenveranstaltung erläutert das Management den letzten Jahresabschluss und gibt Auskunft über das laufende Jahr. Die Bereitschaft zur Transparenz ist also eine wesentliche Voraussetzung.

4.2 Immobilien

Zur Emission wird ein Exposé veröffentlicht, das umfassende Informationen zur Immobilie enthält.

Im Info-Memo werden, wie bei Unternehmen, alle Grundlagen der Objektgesellschaften wie z.B. wesentliche Verträge sowie historische Daten, wie z.B. Jahresabschlüsse der vergangenen Jahre bereitgestellt und umfassend auf die Risiken der Anlage eingegangen.

Auch unsere Immobilienemittenten müssen sich laufend hoher Transparenz unterwerfen. Neben der Veröffentlichung des Jahresabschlusses gibt es einmal im Jahr eine Investorenveranstaltung, wo der Emittent den Fragen der Anleger Rede und Antwort steht. Unterjährig erfolgt dies im „Fragen & Antworten“-Bereich auf unserer Seite.

5. Achten Sie bei der Auswahl auch auf ethische Prinzipien?

Da ein Emittent, der nicht die grundlegenden ethischen Prinzipien einhält, sicher auch keinen Erfolg beim Funding hat, raten wir Emittenten, bei denen wir dies erkennen können, von einer Kampagne auf unserer Plattform ab.

6. Wie unterscheiden sich Ihre Konzepte von den Angeboten konkurrierender Banken?

Der Hauptunterschied ist, dass wir, wie zuvor gesagt, keine Beratung anbieten. Bei uns entscheiden die Anleger selbst über ihr Geld – frei nach dem Motto: „Ich habe mein Geld selbst verdient, dann kann ich es auch selbst ausgeben.“ Wir sehen unsere Verpflichtung entsprechend darin, maximale Transparenz zu schaffen.

Darüber hinaus können Privatanleger bei uns extrem kostenschlank investieren - Provisionen, Nebenkosten oder versteckte Gebühren gibt es nicht. Zudem finden Privatanleger bei uns Anlagemöglichkeiten, die ihnen Banken in der Regel nicht bieten können: Derzeit ist das die Möglichkeit, in einzelne Startups und in Einzelimmobilien zu investieren. Diese Assets bieten Banken wenn überhaupt, dann nur ihren ganz vermögenden Privatkunden an.

7. Ist die Anlage in Immobilien bei Bergfürst genauso sicher wie Festgeld?

Nein. Wenn Sie das Risiko eines Anlageproduktes einschätzen möchten, müssen Sie auf die Zinsen bzw. die Renditechancen schauen: Je höher diese sind, desto höher ist das Risiko des Investments. Im Augenblick erhalten Sie, wenn Sie Glück haben, für Festgeld 1 % Zinsen p.a.. Beim Middendorfhaus, einer Bestandsimmobilien erhalten Sie laufend 3,5% Zinsen. Bei unserer neuesten Immobilien-Kampagne „Am Lohmühlenschatz“, einer Projektentwicklung, werden 7 % p.a. Verzinsung angeboten. Diese Zinssätze spiegeln die unterschiedlichen Risiken wieder.

Bei einer Bestandsimmobilie ist das Risiko höher als bei Festgeld. Es könnten ja zum Beispiel viele Mieter auf einmal ausziehen und keine Nachmieter gefunden werden. Dann könnten unter Umständen die Zinsen in Teilen oder in Gänze nicht mehr gezahlt werden. Diese und weitere theoretische Risiken werden durch die Risikoprämie abgebildet.

Bei einer Projektentwicklung kann es zu Verzögerungen oder Baumängeln kommen. Gewerke können ausfallen. Diese und weitere theoretische Risiken, die sicher höher als bei einer Bestandsimmobilie sein können, drücken sich im erhöhten Zinssatz aus. Auch hier gilt eben: Wie bieten alle Informationen für eine persönliche Risikoabschätzung - die Anleger entscheiden eigenständig, ob und in welchem Umfang das Angebot zu ihrer Anlagestrategie passt.

Idealerweise baut sich der Anleger ein ausgewogen diversifiziertes Portfolio mit unterschiedlichen Objekten und Risiken auf. Auf jeden Fall sollte ein Anleger nicht alles auf eine Karte setzten.

8. Welche Renditen sind bei Bergfürst im Bereich Unternehmen möglich?

Das hängt natürlich immer vom einzelnen Unternehmen ab. Potentiell steckt ja in jedem Startup die Chance ein ganz großes Unternehmen zu werden. Die üblichen Verdächtigen, Facebook, Google und Co., haben ja auch alle einmal klein angefangen und wären nie groß geworden, hätte nicht jemand frühzeitig an die Idee geglaubt und Geld in die Hand genommen.

Der Charme unseres Angebots liegt eben darin, dass wir auch Kleinanlegern die Möglichkeit bieten, bereits frühzeitig in ein junges, vielversprechendes Unternehmen zu investieren. Über die Renditechancen sollte sich jeder Investor selbst eine Meinung bilden. Jeder Investor sollte aber stets vor Augen haben, dass von einer sehr hohen Rendite bis zum Totalverlust alles im Zeitablauf möglich ist. Entsprechend sollte jeder Privatanleger sehr genau überlegen, wie viel von seinem freien Vermögen er in diese Assetklasse investiert.

9. Welche Risiken gehen Anleger bei der Investition in ein Unternehmen ein?

Privatinvestoren erwerben bei uns Aktien, d.h. Eigenkapital oder partiarische Nachrangdarlehen, die ähnlich wie Eigenkapital ausgestaltet sind. Die Unternehmen befinden sich in einer sehr frühen Phase und sind einer großen Zahl von Risiken ausgesetzt. Auch wenn wir voraussetzen, dass der Proof of Principal erbracht sein muss, birgt die Markterschließung noch erhebliche Risiken.

Die jungen Unternehmen verfügen nicht über die Substanz, Verwerfungen lange auszuhalten. Es handelt sich also unter dem Strich sicher um ein sehr ausgeprägtes Chancen – Risikoprofil, das Privatanleger in dieser Assetklasse eingehen.

10. Besteht das Risiko eines Totalverlustes?

Ja, auch das ist nicht auszuschließen. Sie investieren hier in eine Risikoklasse, die große Chancen bietet, aber auch die Möglichkeit des Totalverlustes in sich trägt.

11. Worin besteht der Unterschied zu einer Investition in Aktien oder Fonds?

Wenn Sie Aktien an der Börse erwerben, dann investieren Anleger in das gleiche Produkt. Der Handel ist an der Börse natürlich anders organisiert als bei BERGFÜRST. In der Regel sind diese Unternehmen bereits etabliert und haben die spannende Phase von der Gründung, der Etablierung am Markt bis zu den ersten Umsätzen natürlich längst hinter sich gelassen. Auch wenn es bei diesen Unternehmen volatil zugehen kann, sollte man per se davon ausgehen, dass die Volatilität deutlich geringer ist.

Fonds haben immer die unangenehme Eigenschaft, dass Sie als Anleger gezwungen sind, das Portfolio mittragen zu müssen, was Ihnen der Fondsmanager vorschreibt. Und gerade bei Immobilienfonds kommen dazu noch besonders hohe Nebenkosten, Verwaltungsgebühren etc. oben drauf. Bei BERGFÜRST investieren Sie ganz ohne Nebenkosten in Unternehmen und einzelne Immobilien und können sich auf diese Weise Ihr ganz individuelles Portfolio zusammenstellen – und müssen nicht passiv im „Fonds-Omnibus“ mitfahren.

12. Welche Gebühren müssen Anleger zahlen?

Die Registrierung ist kostenlos, und auch der Kauf von Unternehmensbeteiligungen und Immobilien im Rahmen einer Emission ist für Privatanleger kostenfrei. Es gibt auch keine Folgekosten. Bei uns müssen Sie sich nur einen Preis merken: 5 Euro. Die 5 Euro bezahlen Privatanleger wenn sie über unsere Handelsfunktion Anteile nach der Platzierung kaufen oder verkaufen wollen. Diese Gebühr ist unabhängig von der Höhe der Order.

13. Wie verdient Bergfürst Geld? Fließen Provisionen oder Vergütungen?

Wir erhalten von den Emittenten eine Beratungsgebühr, die sich am Platzierungserfolg bemisst. Ferner erhalten wir eine jährliche Verwaltungsgebühr dafür, dass wir die Plattform betreiben und die Kommunikation zwischen Emittent und Privatanleger abwickeln. Die genauen Konditionen werden bei jeder Emission im Einzelnen und detailliert offen gelegt, so dass auch hier vollständige Transparenz herrscht.

14. Viele Menschen brauchen gerade in finanziellen Dingen individuelle und persönliche Beratung. Wie gehen Sie damit um und wie schaffen Sie Vertrauen?

Wie zuvor gesagt: Wir bieten unseren Investoren zwar keine (provisionsgesteuerte) Beratung, dafür aber alle Informationen, die sie für eine eigenverantwortliche Anlageentscheidung benötigen – von Exposé bzw. Equity Story, über Imagefilm, Info-Memo bis hin zu Blog-Beiträgen, einem „Fragen & Antworten“-Bereich und dann die fortlaufende Unternehmensinformation.

Das Vertrauen unserer Investoren haben wir aufgrund unserer großen Transparenz gewonnen. Vertrauen und Transparenz sind das A & O unseres Geschäftsmodells. Es wird sicher immer auch Privatpersonen geben, die Anlageberatung wünschen und sich damit wohler fühlen. Das ist dann aber auch verständlicher Weise mit anderen Kosten verbunden. Wir bedienen in unseren Strukturen die Gruppe der selbstbestimmten Anleger.

15. Was raten Sie Anlegern, die bei den aktuell niedrigen Zinsen nicht wissen, wohin mit ihrem Ersparten?

Sicher haben Sie Verständnis, dass wir unserem Ansatz treu bleiben und keine Anlageberatung geben.

16. Weshalb haben Sie in diesem Jahr die Banklizenz abgegeben?

Die Bankerlaubnis mit dem einhergehenden Aufsichtsrecht hat uns mehr behindert als das es uns im Markt geholfen hätte. Wir konnten nicht so wendig agieren, wie wir das gerne wollten. Vor diesem Hintergrund haben wir uns zur Rückgabe der Erlaubnis entschlossen.

17. Seitens der Kritiker bekam Bergfürst fehlende Liquidität vorgeworfen. Wie viele Unternehmen konnten Sie bisher für Ihr Projekt gewinnen und wie viele werden noch dazukommen?

Bis zur Rückgabe der Bankerlaubnis haben wir zwei Emissionen erfolgreich durchgeführt. Seit Rückgabe im Mai diesen Jahres haben wir zwei Emissionen an den Start gebracht. Die Dritte kommt noch im Laufe des Septembers. Es zeigt sich, dass wir deutlich schneller werden konnten, nachdem wir die Erlaubnis zurückgegeben haben.

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